Full text: Volume (Bd. 3 (1864))

184 Bemerkungen über die Commanditgesellschaft auf Actien,
Diese Gründe sprechen schlagend dafür, daß man von der staatlichen
Genehmigung nicht nur bei der Actiencommandite, sondern auch bei
den meisten Arten von Actiengesellschaften Abstand nehmen könnte.
Daraus folgt aber noch nicht, daß, wenn man sich hierzu bei der
reinen ActiengeseÜschaft nicht entschließen kann, consequenterweise auch
bei der Actiencommandite die staatliche Genehmigung beibehalten
werden muß. Ein solcher Schluß wäre meiner Ansicht nach nicht
gerechtfertigt. Bei der Actiencommandite liegt die Sache insofern
anders, als hier neben dem Actiencapital auch noch die Person und
das Vermögen des Geranten in Betracht kommen. Das Interesse,
welches der persönlich haftende Gesellschafter an dem glücklichen Fort-
gange des Geschäftes hat, ist größer als das des Vorstandes einer
Actiengesellschaft. Dieses größere Interesse kommt nicht nur den
Actionären, sondern auch allen denjenigen, welche mit der Gesellschaft
in Geschäftsverbindung treten, zu Gute. Die Leitung des Unterneh-
mens in der Hand des persönlich haftenden Gesellschafters bietet also
größere Sicherheit dar, als wenn, wie bei der Actiengesellschaft, ein
Vorstand die Geschäfte verwaltet. Insofern kann bei der Actiencom-
mandite eher wie bei der eigentlichen Actiengesellschaft von der staat-
lichen Genehmigung und Controle abgesehen werden, mithin ist es
nicht gerade inconsequent zu nennen, wenn in einzelnen Staaten, wie
z. B. in Preußen, bei der Actiencommandite die Genehmigung des
Staates nicht mehr erfordert wird, während bei der eigentlichen
Actiengesellschaft das Gegentheil der Fall ist.
Wenn nun, abgesehen von der staatlichen Genehmigung, das
H.-G.-B. eine Anzahl andere beschränkende und vorbeugende Bestim-
mungen bei der Actiencommandite getroffen hat, um sowohl die Actio-
näre wie auch das mit der Gesellschaft in Verbindung tretende Publi-
cum vor Benachtheilungen zu schützen, so ist es sehr erklärlich, daß
der Werth dieser einigermaßen bevormundenden Bestimmungen eine
durchaus nicht übereinstimmende Beurtheilung gefunden hat. So
klagt man z. B. in Geschäftskreisen wohl mit Recht darüber, daß der
Minimalbetrag der Actien in Art. 173 H.-G.-B. auf die bedeutende
Summe von 200 Thalern festgestellt worden, da man dadurch un-
nöthiger Weise so manche Privatpersonen von der Betheiligung an
solchen Instituten ausgeschlossen habe. Nicht minder hat man das
absolute Verbot der Ausgabe selbst volleingezahlter Actien auf

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