Full text: Volume (Bd. 2 (1864))

von mehr als 5 Prozent Zinsen in das Hypothekenbuch rc.

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§. 691. Bei Darlehnen der Kaufleute finden die Vorschriften
des Th. 1, Tit. 11, §. 805 Anwendung.
§. 692. Wenn jedoch einem Kaufmann, der mit Maaren im
Großen handelt, Gelder gegen bloße Handschrift oder Wechsel, und
ohne besondere Sicherheit, auf eine Sechs Monate nicht übersteigende
Zeit vorgeliehen werden, so soll die Bestimmung des Zinssatzes ledig-
lich der Vereinigung der Interessenten überlassen bleiben.
§. 693. Nach Verlauf der Sechs Monate aber finden nur die
gesetzmäßigen Zinsen Statt.
Während in den erstangeführten Gesetzesstellen der Darlehns-
geber im Vordergrund stand, weshalb auch Th. 2, Tit. 20 Allg.
L.-R. an dieselben zur Bestimmung des Wuchers anknüpfte, sind hier
die Bestimmungen mit Rücksicht auf den Darlehnsempfänger ge-
troffen. Es handelt sich hier darum, dem Kaufmann zu seinen
Unternehmungen das erforderliche Geld, welches Adam Smith als
das große Umtriebsrad der Güter bezeichnet, zu verschaffen. *) Doch
nur im geringen Grade wurde ihm das Zutrauen geschenkt, daß er
die Nutzbarkeit eines Darlehens zu beurtheilen vermöge, denn allein
dem Großhändler, und auch diesem nur für kurze Geschäfte war es
gestattet, gegen Zinsen beliebiger Höhe Geld aufzunehmen.
Vor Allem bedarf aber der Kaufmann, um seine Arbeitskraft
verwerthen zu können, des Kapitals; Arbeit und Kapital sind die
beiden Elemente, durch welche auch er schafft; wenn nun der Kauf-
mann selten mit hinreichenden eigenen Geldmitteln zu seinen Unter-
nehmungen ausgestattet ist, so muß er zur Ergänzung dessen Darlehen
und Kredit beanspruchen, und daß er dies uneingeschränkt vermag,
befähigt ihn Art. Art. 292, Abs. 2 H.-G.-B.:

*) Diese Vorschrift — nämlich der §. 692, sagt Suarez in den Schlußver-
trägen — gründet sich auf einen von der Königsberger Kaufmannschaft sormirten,
von dem Commerzien - Collegio unterstützen, und von der Gesetz-Commission
approbirten Antrag. Ein Kaufmann von der hier bezeichnten Art kann oft, wenn
er baares Geld in Händen hat, 50 Prozent an einer Waare verdienen; man muß
also demselben, da er als Waarenhändler, nie eine große eigne Kasse haben kann,
die schnelle Auffindung des benöthigten Geldes auf eine kurze Zeit möglichst er-
leichtern; und dies kann nicht anders als dadurch geschehen, daß man ihm erlaubt,
seinem creditori, auch Höhere als die gewöhnlichen Zinsen zu verschreiben, (v. Kamptz
Jahrbücher Bd. 41, S. 155.) — Zu vergleichen dagegen die §. 93 mitgetheilten
Motive zu Art. 223 des Preußischen Entwurfes eines Handels-Gesetzbuches.

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