Full text: Volume (Bd. 2 (1864))

66

Ueber die rechtlichen Befugnisse der sog. Handlungsreisenden.

mäßig verfahren, ohne daß die Geschäftsfreunde des Principals sich
die Vollmacht des Reisenden, zumal wenn derselbe von seinem Prin-
cipale zur Annahme von Bestellungen von Seiten auswärtiger Kunden
Auftrag und der Kunde die Bestellung dem Reisenden gegenüber be-
wirkt hat, vorzeigen lassen.
vergl. Schl etter, Jahrbücher der deutschen Rechtswissenschaft,
II. Band, S. 326.
Kletke, Präjudizien, a. a. O.
von Hahn, a. a. O. S. 129, Absatz 2.
Was insbesondere den gänzlichen oder theilweisen Schulderlaß
anlangt, welchen der Handlungsreisende dem Käufer bewilligt, so ver-
steht es sich von selbst und es ist dieß auch bereits vorstehends ange-
deutet worden, daß dadurch die Interessen des Principals in keiner
Weise verletzt werden dürfen. Sollte daher der erlassene Betrag mit
dem Gezahlten und der demselben überlieferten Waare in gar keinem
Verhältnisse stehen, und sollte diese Hanglungsweise durch die Um-
stände als eine völlig gerechtfertigte und eine negotiorum gestio
enthaltende sich nicht darstellen, so würde der Principal diesen ohne
seinen Auftrag bewilligten Schulderlaß, da derselbe als Schenkung
erscheint, wozu ausdrückliche Vollmacht erfordert wird, wider seinen
Willen keineswegs anzuerkennen brauchen, und folglich würde auch
der Schuldner, des vom Handlungsreisenden gewährten Erlasses un-
geachtet, von seiner Verbindlichkeit gegen den Principal nicht befreit
werden.
Vergl. Hommel, ßhapsod. Vol. I. Obs. CXIII.
Treitschke, a. a. O.
von Hartitsch, a. a. O.
Es folgt dieß aus allgemeinen Grundsätzen des bürgerlichen
Rechts, welche zufolge der in Art. 1 des Handelsgesetzbuchs enthal-
tenen Vorschrift unter gewissen Voraussetzungen auch in Handels-
sachen zur Anwendung kommen. Wie nun einerseits nach jenen
Grundsätzen jeder Bevollmächtigte zur Vornahme derjenigen Hand-
lungen berechtigt ist, ohne welche das ihm übertragene Geschäft in
zweckmäßiger Weise nicht ausgeführt werden kann, und wie daher
Alles, was mit dem Aufträge in genauer Verbindung steht, als inner-
halb der Grenzen des Mandats liegend angesehen werden muß,
s. Glü ck, Erläuterung der Pandekten, V. Theil, § 352, S. 42,

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer