Full text: Volume (Bd. 2 (1864))

478 Das Speditionsgeschäft in seiner heutigen Gestalt.
Klage des Mandatars gegen den Dritten bedarf. Denn gerade da-
durch, daß der Mandatar in eigenem Namen auftritt, gibt er zu er-
kennen, daß er nicht den Geschäftsherrn unmittelbar berechtigen, und
ebenso der Dritte, indem er sich mit ihm einläßt, daß er nur mit ihm
und nicht mit dem ihm vielleicht völlig fremden Mandanten in ein
Berhältniß treten will. Diese aus der Natur der Sache fließen-
den und, wie selbst die Gegner anerkennen, für den Handelsverkehr
ersprießlichen Grundsätze sind durch das (überaus controverse) Princip
der freien Stellvertretung im heutigen Recht nicht beseitigt. Es liegt
eben keine reine Stellvertretung vor, wenn der Mandatar suo nomine
contrahirt. Darum gibt auch Thöl (§ 24, S. 138) in diesem Falle
dem Principal aus Geschäften des Institors die Klage nur kraft dessen
Cession. Schwankend aber wird die Behandlung der Fälle, wenn
der Principal zwar nicht genannt, aber anderweit klar ist, daß der
Abschließende für fremde Rechnung handelt. An diese dachte Thöl,
als er in der ersten Auflage seines Werkes einen Mittelfall des Con-
trahirens in eigenem Namen mit Bezugnahme auf den Principal
annahm, in welchem gleichfalls nur der Institor berechtigt werden
sollte. Mit Recht aber ist diese Unterscheidung schon in der 2. Auf-
lage aufgegeben (s. auch die 4. Ausl. S. 143, Anm. 1). Es kann
nur t hatsächlich zweifelhaft sein, ob in eigenem oder fremdem Namen
contrahirt ist. Deshalb ist es nicht zu billigen, wenn das preußische
Recht für dergleichen Fälle in Ansehung der Verpflichtung, für
welche sonst das Princip der freien Stellvertretung im vollsten Um-
fange gilt,*) ein Wahlrecht des Dritten constituirt, ob er sich an den
dominus oder an den Repräsentanten halten will**). In Ansehung
*) § 85 1,13 A. L.-R.: Was der Bevollm. zufolge des erhaltenen Auftrags
mit einem Dritten verhandelt, verpflichtet den Machtgeber ebenso, als ob die Ver-
handlung mit ihm selbst vollzogen wäre; s. auch § 153 ib.: Wer mit einem Be-
vollmächtigten contrahirt hat, muß flch wegen Erfüllung des Vertrags in der
Regel an den Machtgeber halten. Vergl. H.-G.-B. Art. 52.
**) § 156 1,13; § 251II, 18 A. L.-R.: dieß sind indessen Ausnahme-Be-
stimmungen für Mandatare mit publicistischem Charakter. Im Uebrigeu gilt die
Regel. Es kommt Alles darauf an, was die Contrahenten gewollt haben: daß
der Principal nicht ausdrücklich genannt ist, entscheidet nicht. S. § 129. 130
1,14 ib. Das H.-G.-B. erklärt es mit Recht für gleichgültig, ob das Geschäft
ausdrücklich im Namen des dominus geschlossen ist, oder ob sich dieß nur aus den
Umständen ergibt — Art. 52. —

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