Full text: Volume (Bd. 2 (1864))

476

Das Speditionsgeschäft in seiner heutigen Gestalt.

Rechte, und zwar gegen den ersten Spediteur mit der Verpflichtung
zugestehen, sich, falls diesem keine culpa in eligendo zur Last fällt,
an den, der das Versehen beging und dadurch einen Schaden veran-
laßt hat, verweisen zu lassen (S. 287. 288). Wengler spricht sich in
Ansehung des Empfängers nicht ganz deutlich aus; er scheint das
auf eine angebliche Usance gegründete Recht des Empfängers, sich
selbst wegen eines von dem letzten Spediteur nicht verschuldeten
Mangels an diesen zu halten, auf ein Retentionsrecht an der Fracht
und sonstigen Ungeldern zu beschränken (S. 118. 119). Dagegen
gibt er dem Committenten schlechthin gegen den Frachtführer ohne
Weiteres die actio utilis, gegen den Zwischenspediteur als Substi-
tuten nur ex^nre cesso directe Klagerechte (S. 102 folg.). Koch
(preuß. Privatrecht § 406) faßt auch den Fuhrmann als Substitutell
auf und behauptet, die Gerichtspraxis lasse die Klage des Absenders
ohne Weiteres gegen die schuldige dritte Person zu; dem Adressaten
gibt er die Klage aus der Geschäftsführmlg gegen den Ueberbringer.
So weit die Meinungen der Schriftsteller. Das H.-G.-B. enthält
im Speditionsrecht keine besonderen Vorschriften. Dagegen ist für
den Frachtführer das Verhältniß geregelt. Jeder nachfolgende Fracht-
führer tritt (vermöge activer und passiver Cession) in den Frachtver-
trag ein (Art. 401), und der Empfänger ist berechtigt, alle durch den
Frachtvertrag begründeten Rechte in eigenem Namen gegen den Fracht-
führer geltend zu machen (Art. 405). U. A. eignen sich diese Be-
stimmungen nicht zur analogen Anwendung auf den Spediteur und
Zwischenspediteur. Wenn sich der Streit nicht praktisch durch Zu-
rückbehaltung eines verhältnißmäßigen Theils der Fracht und Spesen
erledigt, welche dem Empfänger unbedenklich wegen aller, gleichviel
durch welchen Spediteur oder Frachtführer verschuldeten Verluste
und Beschädigungen zusteht (da der Eincassirer jener Forderungen
stets gleichzeitig die Rechte der Vormänner geltend macht), so kann
der Empfänger als solcher nach allgemeinen Grundsätzen nur dann
klagen, wenn die Versendung in seinem Interesse erfolgt ist (ex ne-
gotiorum gestione). Das Klagerecht, welches ihm das H.-G.-B.
auch bei fremdem Interesse gegen den Frachtführer gibt, ist singulär
und unpraktisch.*) Nach der passiven Seite hin aber gilt bezüglich

*) Koch, Comm. S. 409, Anm. 30. Auch das franz. Recht gibt nur dem.

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer