Full text: Volume (Bd. 2 (1864))

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Das Speditionsgeschäft in seiner heutigen Gestalt.

gleichfalls mit Auftrag versehen hat, den Absender nicht mehr für
ermächtigt hält, die Zurückhaltung der Waare bis zur Zahlung des
Preises anzuordnen. Hatder Spediteur gegen diese Vorschriften das In-
teresse seines ersten Machtgebers verletzt, so ist das von ihm vollzogene
Geschäft zwar im Verhältniß zu (redlichen) Dritten und (abgesehen
von Collusionsfällen) in dem des zweiten Machtgebers giltig; er
haftet aber für allen Schaden. Diese Sätze des preußischen Rechts*)
entsprechen der Natur der Sache und werden daher auch in weiteren
Kreisen anwendbar sein.**)
IX. Ankunft der Waare; Rechte des Spediteurs; Rechtsmittel
der Betheiligten.
Von der bevorstehenden Ankunft hat der Committent oder auf
dessen Anzeige, daß Solches noch nicht geschehen, der Spediteur den
Destinatär zu benachrichtigen (Pöhls S. 282, Wengler S. 83), der
bereits vor der Ankunft alle zur Sicherstellung des Gutes erforder-
lichen Maßregeln zu ergreifen und dem Frachtführer die zu diesem
Zwecke nothwendigen Anweisungen zu ertheilen berechtigt ist (Art. 404
d. H.-G.-B.). Sobald das Gut am Orte der Ablieferung ange-
kommen ist, ist der Original-Frachtbrief (s. d. Erk. des Handelsge-
richts zu Hamburg im Centralorgan Bd. II, S. 86 und 121) und
das Frachtgut dem in ersterem bezeichneten Empfänger auszuhändigen
(Art. 403). Gleichzeitig jedoch sind die nunmehr fällig gewordenen
Ansprüche des Spediteurs auf'Gegenleistung (Spesen) auszuüben.
Dieselben bestehen in der (ortsüblichen, in der Regel nach der Anzahl
und Schwere der Colli sich bestimmenden — Wengler S. 112 —)
Provision und der Erstattung dessen, was der Spediteur an Auslagen
und Kosten oder überhaupt zum Zwecke der Versendung nothwendig
*) § 25 1. c.: Behält in den Fällen des § 21. 22 der Bev. den Auftrag, ohne
die Beschaffenheit der Sache seinem Machtgeber zur geh. Zeit (§ 17) treulich an-
zuzeigen , so haftet er demselben für allen daraus entstehenden Schaden. § 27:
Im Falle des § 22 sind die Handlungen des Bevollm. zum Vortheile dessen, für
welchen er das Geschäft besorgt hat, gültig, wenn nicht derselbe sich eines Verständ-
niffes mit dem Bevollm. zur Verkürzung der Andere schuldig gemacht hat. § 28:
In beiden Fällen ß 21. 22 steht das unerlaubte Verhalten des Bevollm. in
Uebernehmung solcher Anfträge dem Dritten, welcher sich redlicher Weise mit ihm
eingelassen hat, in Ansehung des Machtgebers nicht entgegen. —
**) Vgl. über die vorstehend erörterten Fragen auch unfern Aufsatz im Cen-
tralorgan III, S. 57.

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