Full text: Volume (Bd. 2 (1864))

Das Speditionsgeschäft in seiner heutigen Gestalt. 459
stand durch Sachverständige (zuvörderst die ein für alle Mal ernann-
ten — preuß. Einführungsgesetz Art. 16 — ohne förmliches Beweis-
verfahren zum ewigen Gedächtniß — Koch, Comm. ©.352 Note 31—)
feststellen lassen und bei Gefahr im Verzüge den Verkauf des Guts
bewirken (Art. 365). —
Y. Aufbewahrung der Waaren:
Diese gehört nur dann zu den Obliegenheiten des Spediteurs,
wenn der Auftrag darauf ausdrücklich oder stillschweigend, z. B. durch
die Anweisung, mit der Waare „nach Bericht" zu verfahren, gerichtet
ist. Alsdann bezieht sich aber auch hier auf die dem Spediteur zur Pflicht
gemachte Diligenz (Art. 380 „und Aufbewahrung des Guts"). Vor
dem H.-G.-B. machte der Umfang seiner Haftung in dieser Beziehung
besondere Schwierigkeiten, weil damit die alte Streitfrage über die
Haftung für verschlossene deposita in Verbindung stand (s. L. 1 § 41.
D. dep. vel contra 16, 3 — Holzschuher S. 541 —). Nach dem
H.-G.-B. ist der Spediteur für Verlust oder Beschädigung des Guts,
.während er Aufbewahrer desselben ist, verantwortlich, wenn er nicht
beweist, daß der Verlust oder die Beschädigung durch Umstände her-
beigeführt ist, welche durch die Sorgfalt eines ordentlichen Kaufmanns
nicht abgewendet werden konnten; d. h. auch als Depositar haftet der
Spediteur für kaufmännische Sorgfalt (Art. 367.387). Wir verkennen
nicht, daß die Anwendung mannichfache Schwierigkeiten haben wird.
AberderWerth einerso einfachen Regel im Verhältniß zu einerCasuistik,
wie sie das preuß. Recht zur Beseitigung jener Controverse erfunden
hat (A. L.-R. 1,14 § 24 bis 34), ist nicht gering anzuschlagen. Die
innere Rechtfertigung liegt in dem, was wir oben (III) über die Dili-
genz des Committenten gesagt haben. Die besondere Pflicht zur cu-
stodia macht den Spediteur noch nicht zum Depositar (wie be-
reits Goldschmidt a. a. O. S. 482 gegen Wengler S. 79. 82 mit
Recht rügt). Die Anforderung kaufmännischer Sorgfalt, welche alle
gegenseitigen Beziehungen durchdringen soll, muß sich ebenso bei der
Aufbewahrung der Güter, als bei andern Functionen des Spediteurs
geltend machen. — Wenn Veränderungen an dem Gute, welche dessen
Entwerthung befürchten lassen, eintreten, so darf der Spediteur bei Ge-
fahr im Verzüge den Verkauf des Guts veranlassen (Art. 366. 367).
Wie die gleiche Befugniß dem Commissionär gesetzlich in allen andern
Fällen zusteht, in denen der Committent die ihm nach Lage der Sache

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