Full text: Volume (Bd. 2 (1864))

456 Das Speditionsgeschäft in seiner heutigen Gestalt.
besonders praktisch sind (Art. 317 folg.). Die Regel wird immer
bleiben, daß der Auftrag schriftlich (Speditionsbrief, Avisbrief) er-
theilt wird. In Betreff der Annahme galt schon früher der den Be-
dürfnissen des Handelsverkehrs entsprechende Grundsatz, daß nach
Empfang des Avisbriefs der Spediteur die etwaige Ablehnung un-
verzüglich erklären müsse, widrigenfalls er als einwilligend gilt,
(Mittermaier, d. Priv.-R. § 553; Wengler a. a. O. S. 76, Anm. 3,
a.E.*) DasH.-G.-B.beschränkt dieseFiction auf den Fall, wo zwischen
dem Kaufmann, welchem ein Auftrag gegeben wird, und dem Auftrag-
geber eine Geschäftsverbindung besteht, oder sich derselbe gegen letz-
teren zur Ausrichtung solcher Aufträge erboten hat (Art. 323). Diesen
Grundsatz wie auf das Commissionsgeschäft (Arch. Bd. 1, S. 366),
so auf das gleichartige Speditionsgeschäft, obgleich in dessen Defini-
tion das Wort „Auftrag" fehlt, anzuwenden, scheint uns völlig un-
bedenklich.
III. Rechte und Pflichten der Contrahenten im Allgemeinen:
Als oberstes Princip für die Verpflichtungen des Spediteurs im
ganzen Verlauf des Geschäfts gilt, daß er bei den ihm obliegenden
Leistungen für jeden aus der Vernachlässigung der Sorgfalt eines
ordentlichen Kaufmanns entstehenden Schaden einzustehen hat
(Art. 380)**). Ob auch der Committent die gleiche Sorgfalt anzu-
wenden hat, richtet sich danach, ob das Geschäft auf seiner Seite ein
Handelsgeschäft ist (Art. 273. 282). Ist dieß nicht der Fall, so haf-
tet er wie ein mandans und conductor operarum (locator operis)
für omnis culpa (Pöhls S. 282, Wengler S. 75; Holzschuher
S. 572). Im preußischen Recht könnte man daran denken, zu unter-
scheiden, ob es sich um eine aufgetragene Vertretung des Commit-

*) Pr. A. L.-R. 1,13 § 15: Auch diejenigen, welche aus Uebernehmung ge-
wisser Arten von Aufträgen gegen Belohnung ein Gewerbe machen, sind, wenn
sie dergleichen an sie ergehenden Auftrag ablehnen wollen, dem Machtgeber davon
sofort Anzeige zu machen verbunden. § 16. Unterlassen sie dieses, so findet auch
gegen ste die Vorschrift des § 14 Anwendung. (§ 14. Verzögern sie ihre Ant-
wort, so wird die Vollmacht für angenommen geachtet u. s. w.) Die Erklärungs-
fristen find nach § 16 die gewöhnlichen Acceptationsftisten (Tit. 5, § 90 f.) —
**) Ueber deren zweifelhaften Umfang in oonoroto s. d. Archiv Band 1,
S. 506 f.

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