Full text: Volume (Bd. 2 (1864))

Ueber den Begriff von Handelssachen.

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die Handelsgebräuche und im Uebrigen das Civilrecht die Normen der
Behandlung und Beurtheilung.
11. Wie sind die Verhältnisse eines Gesellschafters zur Ge-
sellschüft, zu dem Ganzen, aufzufassen?
Bei den stillen Gesellschaften und den Vereinigungen zu ein-
zelnen Handels-Geschäften sowie zum Betriebe der in Art. 10 des
H.-G.-B. genannten Gewerbe ist die Gesellschaft nur eine Verbin-
dung mehrerer Einzelnen ohne besondere Gesammt-Einheit, so daß
hier nur Rechtsverhältnisse zwischen den Gesellschaftern als Einzelnen
vorliegen können, welche also nothwendig Handels-Sachen sind.
Bei den sog. Handels-Gesellschaften verhielte es sich eben-
so, wenn man das Gemeinschafts- und nicht das Einheits- oder
Personifications-System als Grundlage der Gesellschaft anzuneh-
men hätte. Muß man jedoch die Handels-Gesellschaft als sog.
juristische Person, als ein von den einzelnen Mitgliedern der Gesell-
schaft verschiedenes, selbstständiges Vermögenssubject auffassen, und
ist also der Ausdruck Handels-Gesellschaft nicht blos die sprachlich
verkürzte, bequemere Bezeichnung für die Zusammenfassung der
sämmtlichen einzelnen Mitglieder: so liegt in der Bestimmung der
Ziff. 2 kein unmittelbarer Grund, jene Verhältnisse ebenfalls
als Handels-Sachen anzunehmen. Da jedoch weder aus der Natur
der Sache, noch aus den Bestimmungen des Handelsgesetzbuchs oder
des Einf.-Gesetzes, noch überhaupt ein innerer Grund für die Aus-
schließung der fraglichen Verhältnisse von dem Begriffe Handels-
Sachen sich ersehen läßt, vielmehr Alles dafür spricht, sämmtliche
Rechts-Verhältnisse innerhalb der Gesellschaft in gleicher Weise als
Handels-Sachen zu behandeln; da ferner, bei anderweitiger Quali-
fication der in Frage stehenden Verhältnisse, an sich durchaus Gleich-
artiges, bezüglich der aus der verschiedenen Qualification sich er-
gebenden Folgen zwecklos auseinandergerissen würde und somit man-
cherlei Ungerechtfertigkeiten hieraus entständen: so wird man diese
Verhältnisse schon wegen Gleichheit des Falles (der maßgebenden
Momente), also analogisch (in strengen Sinne des Wortes) auch nach
dem preuß. Einf.-Gesetze als Handels-Sachen auffassen müssen. Man
wird sogar — weil die Beziehungen eines Gesellschafters zu der Ge-
sellschaft, also indirect zu allen Gesellschaftern, in noch höherem
Maße innere Gesellschafts-Angelegenheiten sind, als diejenigen ein-

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