Full text: Volume (Bd. 2 (1864))

216 Entscheidungen und Präjudicien aus verschiedenen Staaten,

tere Zeugin bestätigt, daß Kläger einmal ein paar Gummihosenträger
und 2 Stück Portbourse, sowie späterhin 2 oder 3 Reifkämme einge-
wickelt und zu sich gesteckt habe, und wieder eine andere Zeugin gibt
an, daß Kläger ihr verschiedene Kleinigkeiten verkauft und auch einer
Bekannten dergleichen besorgt habe, wogegen Kläger diese Gegen-
stände theils nur für den Reisenden zurückgelegt, theils mit Wissen
seines Principals vertauscht, theils diese Geschäfte verrechnet haben
will.
Der Polizeirichter hat nun zwar diese Zeugenaussagen zu einer
Verurtheilung des N. N. wegen Entwendung nicht für genügend be-
funden; allein, wenn die vorliegenden Thatsachen auch zu einem
Schuldausspruche nicht genügten, so müssen dieselben doch als aus-
reichend erachtet werden, um darauf hin das bestandene Dienstver-
hältniß zu lösen. Das billige Ermessen des Richters, das in einem
derartigen Falle den Ausschlag zu geben hat, ist an die Formen des
strengen Beweises nicht gebunden, sondern hat den Verhältnissen des
Lebens Rechnung zu tragen und insbesondere das bei allen Handels-
geschäften unbedingt nothwendige Vertrauen des Principals zu seinen
Bediensteten und dieser unter einander ins Auge zu fassen. Dieses
Vertrauen kann aber auch durch ein Benehmen oder Handlungen er-
schüttert werden, die zwar vom Strafrichter nicht geahndet werden
können, gleichwohl aber ein ferneres Zusammenwirken unmöglich
machen. Kläger behauptet selbst, es sei ihm die Aufsicht über das
übrige im Geschäfte verwendete Personal übertragen gewesen, eine
Stellung, zu deren erfolgreicher Bekleidung vor Allem erforderlich
gewesen wäre, daß deren Inhaber bei dem untergebenen Personale in
Achtung und daher insbesondere außer jedem Verdachte einer Untreue
stünde. Diese Achtung und Unbescholtenheit hat Kläger durch die von
den Zeugen bekundeten Handlungen bei den M.'schen Bediensteten
durch seine eigene Schuld verloren, und es ist daher das Recht des
Principals anzuerkennen, ihn unter diesen Umständen sofort des
Dienstes zu entlassen, womit der Anspruch des Klägers aus ein wei-
teres Salair von selbst zusammenfällt.
Samml. handelsgerichtlicher Entscheidungen I. Bd. Heft 3,
S. 223.

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