Full text: Volume (Bd. 2 (1864))

144 Auszüge aus den Verordnungen des Königl. sächs. Ministeriums d. Justiz.
ändert und ein Vorschlag, welcher diese Möglichkeit wieder einführen
wollte, abgelehnt worden.*)
Vergleiche hierzu auch: Achilles Renaud, das Recht der
Actiengesellschaften, Leipzig, 1863. S. 557.
Man kann aber auch nicht umhin, diesen Beschluß als einen in
dem ganzen Systeme des Handelsgesetzbuchs und in der Natur der
Sache begründeten anzuerkennen. Denn wie man auch im Allge-
meinen über das Verhältniß des Vorstandes einer Actiengesellschaft
zu der Gesellschaft selbst denken möge (vergleiche darüber Salkowski,
Bemerkungen zur Lehre von den juristischen Personen, Leipzig 1863.
S. 48 s.), das Handelsgesetzbuch betrachtet den Vorstand keinesweges
als den Repräsentanten der Gesellschaft, als den Träger der juristi-
schen Persönlichkeit derselben, sondern als deren Bevollmächtigten und
Vertreter. (Vergl. hierüber Art. 227, Abs. 1, Art. 131, Abs. 1. 2,
Art. 234 in den Worten „sonstige Bevollmächtigte.") Es stellt ihn
dadurch auf eine Linie mit den Procuristen selbst, wie denn alle ein-
zelnen Bestimmungen über die Stellung und die Befugnisse des Vor-
standes — außer denen, welche daraus, daß er eine juristische Person
und nicht eine physische, zu vertreten hat, hervorgehen — denen über
die Befugnisse eines Procuristen ganz analog sind,
Vergl. z. B. Art. 43 mit Art. 231.
Art. 44 mit Art. 229.
Art. 46 in Verb, mit Art. 54, 1 mit Art. 227, Abs. 3 und
Art. 233, Abs. 2,
während man von dem Handelsbevollmächtigten, wenn er auch zu
allen Geschäften und zur Firmenzeichnung beauftragt ist, nicht sagen
kann, daß er die ganze Person des Principals, als alter ego desselben,
vertritt, weil seine Stellvertretung eben nur auf der Vollmacht, nicht
auf dem Gesetze beruht. Wie es nun schon an sich etwas Auffallen-
des haben würde, daß ein Vertreter einen Vertreter — nicht für sich
sondern für den Vertretenen — bestelle, so ist solches dem Procuristen
durch Art. 53, ohne Einwilligung des Principals, ausdrücklich ver-
boten, und eine analogische Anwendung dieses Verbotes auf den Vor-
stand einer Actiengesellschaft ist um so unbedenklicher, da man wohl

*) Ueber die Ansicht von Hahns bezügl. der vorliegenden Frage s. unten
Nr. XXI. Zifs. 13.

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