Full text: Volume (Bd. 2 (1864))

Besichtigung der Ladung durch die Behörde oder amtlich rc.

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selbst bei der erweiterten Zulässigkeit der Besichtigung doch für ganz
unstreitige Verluste und Beschädigungen, ohne in todten Formalismus
auszuarten, nicht anwendbar sei.
Die Parallele zwischen den Grundsätzen der Binnen- und
Seefracht ist daher, und darin besteht das zunächst nur negative Re-
sultat vorstehender Erörterung, deshalb eine unvollendete, weil es bei
unstreitigen Verlusten oder Beschädigungen der Ladung an einem ge-
eigneten Mittel zur Erhaltung der Ansprüche des Empfängers fehlt,
welches der Zurückbehaltung der Fracht bei der Binnenfracht an die
Seite gesetzt werden könnte; zu einem positiveren Resultat werden wir
gelangen, indem wir die Gründe in Erwägung ziehen, weshalb man
es überhaupt für nöthig erachtet hat, die Ansprüche des Empfängers
an den Frachtführer oder Schiffer wegen Beschädigung oder theilwei-
sen Verlusts der Ladung durch Präjudize zu limitiren, denn man muß
davon ausgehen, daß der Gesetzgeber das materielle Recht nicht über
das erkannte Bedürfniß hinaus hat beschränken oder abschneiden
wollen.
Wir finden die ratio legis in besonderer Beziehung auf die
Seefracht S. 2304 der Berathungs-Protocolle zum Art. 499 des
Entwurfs klar ausgesprochen. Danach bezweckt das Präjudiz eine
Erleichterung des Schiffers gegen die Strenge der ihm nach Art. 607
auferlegten exceptionellen Verantwortlichkeit. Diese würde unerträg-
lich sein, — sagen die Motive — wenn der Schiffer auch nach der
Ablieferung der Güter für alle Zeit über die Folgen des Transports
und die während desselben entstandenen Beschädigungen und Ver-
änderungen des Frachtguts Rechenschaft geben müßte. Werde er
sofort deshalb bei der Empfangnahme in Anspruch genommen, so
könne er sich nicht selten durch den Nachweis der ihn entlastenden
Umstände namentlich mittelst Verklarung rechtfertigen und unbe-
gründete Entschädigungsforderungen von sich i abwenden. Habe er
aber in der Meinung, daß es der Sicherung der Beweise und der
Verklarung nicht bedürfe, weil kein Theil der Ladung Beanstandung
gefunden hat, sich vorzusehen unterlassen, und werde er nun nach
längerer Zeit zur Rechenschaft gezogen, so könne er das Versäumte
nicht nachholen, zumal er die Mannschaft häufig nicht mehr bei-
sammen habe. Dieß sei um so unbedenklicher, als der Beweis, daß
die Beschädigung der Waare schon bei der Löschung vorhanden ge-

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