Full text: Volume (Bd. 2 (1864))

104 Heber Abschluß eines Vertrages durch Stellvertreter und das
lung erhalten zu haben, daß Z. als Beauftragter Rudolph M.'s ge-
handelt habe. Beklagter läugnete dagegen, daß Rudolph M. vom
Kläger mit der Abschließung dieses Geschäfts beauftragt und von
Letzterem das zwischen M. und Beklagten getroffene Abkommen ge-
nehmigt worden sei.
Das Handelsgericht Dresden bemerkte nun in seiner Ent-
scheidung, daß, da in der Klage nicht zugleich behauptet sei, daß M.
beim Kaufsabschlusse dem Beklagten gegenüber als Beauftragter
Klägers sich gerirt habe, wohl habe in Frage kommen können, ob nicht
die Klage in der angebrachten Maße abzuweisen sei. Allein es glaubte
die erste Instanz weiter aus den sonstigen Geständnissen des Beklag-
ten die Folgerung ableiten zu können, daß demselben, noch ehe er auf
den geklagten Kaufpreis eine Zahlung geleistet, jenes Auftragsver-
hältniß bekannt gewesen sei, und es wurde deshalb die Entscheidung
der Sache nur noch vom Beweise einer von Seiten des Beklagten
vorgeschützten Ausflucht (welche jedoch die in der Ueberschrist bezeich-
nete Frage nicht berührt) abhängig gemacht.
Allein die zweite Instanz, das K. S. Appellationsgericht
Dresden, an welches die Sache auf eingewendete Berufung des
Beklagten gelangte, wies unterm 16. Mai 1863 die Klage in-der an-
gebrachten Maße ab, und zwar aus folgenden Gründen:
„Das Wesen der Obligation bringt es mit sich, daß die Ent-
stehung eines Vertrags nicht anders gedacht werden kann, als durch
die von bestimmten Personen —den Contrahenten — ausgehende
und zwischen denselben verlautbarte, auf Einräumung, beziehendlich
Erwerbung des den Inhalt der Obligation bildenden Forderungs-
rechts gerichtete Willenserklärung.
s. Puchta, Pandekten, §. 219. 220.
Wie nun das heutige Recht die freie Stellvertretung bei Ver-
trägen anerkennt, so kommt es bei der Frage, welche Wirkungen aus
einem von einem Stellvertreter abgeschlossenen Vertrage für denjeni-
gen, dessen Stelle dabei vertreten worden ist, sich ergeben, in der Re-
gel darauf an, zu wissen, wer bei dem Vertrage als Contrahent auf-
getreten und beziehendlich von der andern Seite angenommen worden
ist, und es ist diese Frage für die rechtliche Beurtheilung des Ver-
tragsverhältnisses an und für sich betrachtet von Bedeutung, gleich-
viel ob es sich um Rechte handelt, welche aus Verträgen eines Stell-

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