Full text: Volume (Bd. 2 (1864))

102 Ueber Abschluß eines Vertrages durch Stellvertreter und das

noch an dem Grundsätze fest, daß der Mandatar als eigentlicher Con-
trahent aus dem im Namen des Principales abgeschlossenen Vertrage
persönlich verpflichtet werde, und daß überhaupt auf den Mandanten
nicht die Obligation selbst, sondern nur die Klage übertragen werde,
dieser somit aus der an sich wider den Mandatar zuständigen Klage
zu verurtheilen sei. Diese Grundsätze sind im neuesten Rechte in
mehrfacher Weise modisicirt worden, worüber unter Anderem die im
zweiten Hefte des ersten Bandes dieser Zeitschrift unter Nr. XIV,
Seite 118 ersichtliche Mittheilung zu vergleichen ist. Insbesondere
hält die Praxis bisher an dem Grundsätze fest, daß, soweit bei Schlie-
ßung eines Vertrages die persönlich contrahirenden Theile nicht aus-
drücklich erklären, daß sie als Stellvertreter eines Dritten handeln,
oder so lange nicht das Auftreten der persönlich Verhandelnden aus
besonderen Umständen sonst hervorgeht, der Vertrag nur als unter
den persönlich verhandelnden Theilen zu Stande gekommen angesehen
werden kann, und daß daher der Dritte, welcher auf Grund eines
solchen Vertrags Ansprüche erheben will, sich von dem Stellvertreter
zu diesem Behufe die demselben gegen den Mitcontrahenten zuständige
Klage abtreten lassen muß. Mit Rücksicht hierauf ist nun in neuerer
Zeit die Behauptung aufgestellt worden, daß derjenige, dessen Bevoll-
mächtigter mit einem Dritten contrahirt habe, und welcher als Man-
dant von seinem Mandatar die Cession des Klagrechts desselben gegen
den dritten Mitcontrahenten erzwingen könne, auch die Klage seines
Mandatars gegen den Dritten als aetio utilis, ohne daß es erst einer
Abtretung dieser Klage bedürfe, anzustellen berechtigt sei, mit anderen
Worten, daß in allen Fällen, in welchen die Cession erzwungen wer-
den könne, dieselbe ohne Weiteres als geschehen anzunehmen sei, und
es wird dieser Grundsatz von den Rechtslehrern theils im Allgemeinen
und ohne Beschränkung aus einzelne Fälle (vergl. von Savigny,
Obligationenrecht, I. Bd., S. 243 f.; Puchta, Pandekten, §. 281;
Desselben Vorlesungen über das heutige Römische Recht, II. Bd.,
S. 131 f.; Arndts, Pandekten, §. 255; Seusfert, praktisches
Pandektenrecht, §. 298), theils nur für gewisse einzelne Fälle (vergl.
Mühlenbruch, Pandecten, §. 281; Derselbe, Cession, §. 43.44;
Unterholzner,Schuldverhältnisse, I.Bd.,ß. 277; v. Vangerow,
Pandekten-Vorlesungen, III. Bd., S. 113) aufgestellt, während andere
Rechtslehrer (vergl. Bähr, zur Cessionslehre, in den Jahrbüchern

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