Full text: Volume (Bd. 2 (1864))

100 Einfluß des Handels-Gesetzbuches auf die Zulässigkeit der Eintragung rc.
stücksantheil eintragen; für das Kapital und Zinsen verbürgt sich zu-
gleich der Nichtkausmann selbstschuldnerisch und setzt zur Sicherheit
sein Grundstücksantheil als Pfand ein; so haften nun dem Gläubiger
beide Eigenthümer des Grundstücks und dieses selbst.
Dieses Beispiel gibt denn den Eingang zu folgendem Schleich-
weg: Ein Privatmann ist aus gleichen Geschäftsangelegenheiten, wie
die vorerwähnten, in Geldverlegenheit; der Darleiher gibt nun einem
Kaufmann formell das Darlehen zu 7 Prozent, während dieser es als
eigentlichen Empfänger dem Privatmann, natürlich nach Abzug einer
Provision, aushändigt. Letzterer verbürgt sich selbstschuldnerisch für
Kapital und Zinsen, verpfändet sein Grundstück und die Eintragung
erfolgt. Der vorgeschobene Kaufmann ist dann entweder excu88U8,
oder es wird anderweit für sein Ausscheiven ausdrücklich gesorgt, wo-
bei es einer weitern Verfolgung des Schleichweges nicht bedürfen
wird.
Ist nun auch auf diese Weise dem Bedrängten ein Kapital be-
schaffbar, so sind die eingeschlagenen Umwege doch immer Gesetzes-
umgehungen oder gar Uebertretungen, weshalb sich denn der ehrbare
Darleiher von dem Geschäft zurückzieht; die Folge davon ist, daß sein
Kapital am Geldmarkt zur Festsetzung des zeitweisen Zinsfußes nicht
mitwirkt. Der Darleiher dagegen, welcher ungescheut mit Umgehung
des Gesetzes das Geld hergibt, läßt sich dafür eine zweifache Prämie
zahlen, nämlich die Versicherungsprämie für den möglichen Verlust
und eine weitere Prämie für das Wagniß der Gesetzesübertretung.
Zur Zeit stellt sich ein Zinssatz von mehr als fünf Prozent noch
immer als ein Privilegium dar, und zwar entweder als ein privilegium
causae oder als ein Privileg für diejenigen, welche aus Mißachtung
des Gesetzes ein Gewerbe machen; fallen mit Aufhebung der Wucher-
gesetze Vorrechte und Vorurtheil, können sich die Kapitalien frei bei
Unternehmungen betheiligen, wodurch dann Arbeitskraft und Kapital
in geeignete Wechselwirkung gesetzt und in ihrer Produktivität gesteigert
werden, so wird dann für die verschiedene Sicherheit und Bequemlichkeit
der Kapitalanlage Vorrath und Nachfrage in ein richtiges Verhältniß
treten und daraus sich naturgemäß die Höhe des Zinsfußes be-
stimmen.
Inzwischen werden durch neue Gesetze immer weitere Ausnah-
men gegen die Wuchergesetze geschaffen, neue Schleichwege eröffnen

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