Full text: Volume (Bd. 20 (1871))

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Abhandlungen.

wurde der Antrag gestellt, in demselben ausdrücklich zu sagen, daß
die Absicht des Käufers auf einen Verkauf „mit Gewinn" ge-
richtet sein müsse; dieser Antrag wurde jedoch abgelehnt, da man
dieses mehrseitig für selbstverständlich hielt. Protocolle, S. 1289.
Wenn demnach die Gewinnabsicht überhaupt allen Handels-
geschäften eigenthümlich ist, wenn diese bei den Käufen sich ins-
besondere dahin näher bestimmen läßt, daß bei diesen die Ab-
sicht, den Unterschied (die Differenz) zwischen An- und Verkaufpreis
zu gewinnen, vorwaltet, so läßt sich nicht absehen, wie bei Liefe-
rungsgeschäften, welche nach den Bestimmungen über den Kauf
beurtheilt werden sollen, aus dieser Gewinnabsicht ein Grund her-
geleitet werden kann, sie als Spiel oder Wette zu betrachten.
Es ist dieses um so weniger gerechtfertigt, als die Gewinnabsicht
durchaus nicht unvereinbar mit dem redlichen Vollzug des Ver-
trages, wie man zu unterstellen scheint, sondern gerade durch
die pünktlichste Einhaltung desselben erreichbar ist; z. B wenn
Jemand auf das Steigen speculirt und zu diesem Zweck per ultimo
des laufenden Monats kauft, oder Prämie gibt, daß ein Anderer
ihm per ultimo liefere, so kann er, wenn das Steigen wirklich
eintritt, zu einem höhern Preis verkaufen; er wird aber seine Ab-
sicht, zu gewinnen, nur dann erreichen, wenn der Andere seine Verbind-
lichkeit wirklich einhält, d. h. die versprochene Lieferung bewirkt; — wo-
fern dieser aber die Lieferung überhaupt verweigert, oder sie auch nur
an dem bestimmten Tag nicht bewirkt, ist der Speculant, wenn er
Wort halten will, genöthigt, nunmehr seinerseits zu den höhern
Preisen einzukaufen, wodurch er nicht allein um seinen Gewinn
gebracht wird, sondern, je nach dem Stand der Preise, möglicher
Weise noch verliert. Es ist demnach die Gewinnabsicht vollständig
erreichbar, wenn der Vertrag, sowie er eingegangen, auch vollzogen
wird. Es kann nun allerdings Vorkommen, daß die beiden Con-
trahenten, statt an einen Dritten zu verkaufen, beziehungsweise
von einem Dritten zu kaufen, am Tage des Vollzugs unter einan-
der abrechnen; dieses mag auch sehr häufig Vorkommen, weil die
Börsengeschäfte meist durch Mäkler, welche für ihre Bemühun-
gen mittels der Courtage (Maklergebühr) belohnt werden müssen,
geschlossen werden, die Contrahenten daher durch Abrechnung die
Maklergebühr ersparen; das mehr oder minder häufige Vorkommen sol-

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