Full text: Volume (Bd. 20 (1871))

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Abhandlungen.

ob der Frachtführer das Gut dem Destinatär in oder besser vor
das Haus zu bringen hat, so sprechen sich auch die meisten Rechts-
lehrer, welche speciell das Frachtgut behandeln, hierüber nicht
direct aus:
Münter (das Frachtfahrer-Recht [I, S. 118]) sagt lediglich,
daß die Verpflichtung des Frachtführers darin bestehe, die ausge-
nommene Ladung unversehrt dem Empfänger zu überliefern.
Ebenso drückt sich Brinckmann (Handelsrecht, S. 433) aus.
Auch Gad (Handelsrecht, S. 295) lehrt nur, daß der Frachtführer
den Empfänger aussuchen und ihm den Frachtbrief übergeben müsse
(Art. 402). Dagegen lehrt Pöhls (Handelsrecht, I, S. 117):
Der Frachtführer hat, wenn er am Bestimmungsorte ankommt, dem
Destinatär eine Anzeige hiervon zu machen, und demselben, sobald
er sich meldet, das Gut abzuliefern. Ob der Frachtführer ver-
pflichtet ist, dem Empfänger das Gut in's Haus zu liefern oder ob
dieser es in Empfang nehmen müsse, das müssen Ortsgesetze oder
Gewohnheiten entscheiden.
Diese Ansicht von Pöhls theilt denn auch Koch (Deutschlands
Eisenbahnen, II, S. 133). Endemann (Handelsrecht, S. 737,
Anm. 40) erklärt es für eine concrete Frage, ob der Frachtführer
verpflichtet sei, das Frachtgut vor oder in das Hans zu führen
und ferner (S. 761) spricht er seine Ansicht dahin aus, „daß sich
die Haft der Bahnverwaltung jedenfalls nur auf den Transport
mittelst der Eisenbahn erstrecke, und daß dieselbe ende mit der An-
kunft auf der letzten Eisenbahnstation, wo das Gut abgegeben wer-
den oder liegen bleiben soll. Für die Weiterbeförderung übernehme
die Eisenbahn höchstens die Spedition".
Läßt sich nun weder eine ausdrückliche gesetzliche Vorschrift,
noch ein allgemeines Gewohnheitsrecht dahin geltend machen, daß
der Frachtführer als ohne Weiteres verpflichtet zu betrachten sei,
das Frachtgut dem Destinatär bis vor das Haus zu bringen, son-
dern kann die Verpflichtung des Frachtführers mit voller Sicherheit
als nur dahin gehend angenommen werden, daß der Frachtführer
verbunden sei, den Destinatär von der Ankunft des Frachtguts zu
avisiren, demselben den Frachtbrief zu übergeben, sowie endlich dein
sich meldenden Destinatär dies Gut auszuhändigen, so wird
auch um so weniger angenommen werden können, daß der ablie-

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