Full text: Volume (Bd. 20 (1871))

Die deutschen Postgesetze.

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Durch eine solche Bestimmung wäre Allen geholfen, sowohl denen,
welche die Packele selbst abholen oder abholen lassen wollen, als
auch denen, die sie gegen Entrichtung einest Bestellgeldes sich in
das Haus gebracht zu sehen wünschen; von einem persönlichen
Zwangsdienste könnte dann nicht mehr die Rede sein.
Die Entrichtung eines Bestellgeldes ist aber in diesem Falle
an sich billig, war von jeher üblich, beruht auf einem alten Herkommen
und ist von vielen Postgesetzgebungen ausdrücklich anerkannt werden.
Preuß. Regulativ üher das Post-Taxwesen vom 18. Decbr.
1824. Gesetz über das Post-Taxwesen vom 4. Novbr. 1867.
Reglement vom 11. December 1867, §. 40.
Nicht unbillig wäre es, wenn für die Größe desselben der
Werth der überbrachten Stücke zum Maßstabe diente, so daß
z. E. für jedes Stück ein Sgr. und von jedem Packete unter einem
Werthe von 100 Thlr. 1 Sgr. und sodann von jedem weitern 100
Thlr. stets 1 Sgr. zu entrichten wäre.
Bei dieser Sachlage ist zu hoffen, daß es dem hohen Bun-
des-Präsidium gefallen werde:
dahin Verfügung zu treffen, daß der erwähnte dem Adres-
saten in dem Reglement vom 11. December 1867 aufge-
bürdete Postbotendienst wieder aufgehoben, und die Post-
boten zu seiner Verrichtung angewiesen werden,
für den Fall aber, daß dieses nicht geschehen sollte, werden die
Herren Reichstagsabgeordneten gewiß von ihrem Petitionsrecht
Gebrauch machen und darauf anzutragen nicht verfehlen, daß die
erwähnte unzeitgemäße Postbotenfrohne im Wege der Gesetzgebung
beseitiget und so ein Rechtszustand herbeigeführt werde, wie ihn
die Freiheit der Person, das Handelsgesetzbuch, die meisten deutschen
Gesetzgebungen und der Geist der Zeit gebieterisch fordern.

Inter arrnn 8ltent 1e§68 und in dem Kriegsgetöße schweigt
auch die Gesetzgebung. — Erst muß wieder Friede werden, es
muß erst das große Einigungswerk zu Stande kommen, ehe man
an andere Gesetze denken kann.
Diese Zeit ist noch nicht da, sie wird aber mit Gottes Hülfe
bald kommen!

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