Full text: Volume (Bd. 20 (1871))

Die deutschen Postgesetze.

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deutschen Bunde gehörigen Staaten, sowie in den von Preußen
annectirten Ländern Hannover, Kurhessen und Nassau sich stets ge-
wissenhafte und treue Postofficianten und Postboten haben finden
lassen und dieses, bei dem größern Umfange des norddeutschen
Postgebiets, auch künftig der Fall sein wird.
Oder sind die Finanzen des norddeutschen Bundes-Territo-
riums so bedenklich, daß man sich nicht getraut, die Garantie für
die Werthstücke auf die Wegestrecke von dem Hause der Postver-
waltung bis zu dem Hause der Adressaten zu übernehmen?
Diese Frage an sich schon würde, wenn sie erst gemeint wäre,
an das Gebiet der Injurie gränzen; aber sie ist nur scherzweise
aufgeworfen, denn ein einheitlicher Poststaat, der 30 Millionen
Seelen umfaßt, läuft durch etwaige Verluste, die ihm durch die
Unehrlichkeit einzelner Postbediensteten zugefügt werden, keine Gefahr,
ruinirt zu werden, und diese Gefahr haben Staaten, die im Ver-
hältniß zum norddeutschen Bunde sehr klein waren und noch sind,
wie Thurn und Taxis, Württemberg und Baden, Jahrhunderte
glücklich überstanden und werden sie auch künftig überstehen.
Ohne Verlust geht es fteilich nicht ab, denn selbst in kleine-
ren Städten häufen sich gegen Weihnachten die Geschäfte bei den
Fahrposten wegen der vielen Geschenke, die nach den verschiedensten
Gegenden versendet werden, so, daß noch Gehülfen für die Boten
angenommen werden müssen, und da schlüpft bisweilen ein Sub-
ject mit unter, das sich Unterschlagungen zu Schulden kommen läßt,
für welche die Post auskommen muß. Das sind indessen immer
seltene Fälle und es muß dann natürlich der Grundsatz zur An-
wendung kommen: Wer den Nutzen von einem Unternehmen hat,
der muß auch den damit verbundenen Schaden tragen.
„In den großen Städten Preußens," schrieb mir am 23.
December 1869 Herr^ Stadtgerichtsrath Gad zu Berlin, „besteht
die Einrichtung des Zubringens der Pallete gegen eine Bestellge-
bühr von 1 Ngr. pro Stück. Hier läßt sich auch die Controls
des Ueberbringens ohne große Ueberkosten bewirken Hier lohnt
es sich, aus jedem Packetwagen, außer dem Postillon, noch zwei
Beamte fahren zu lassen, einen, des im Wagen bleibt und einen,
der in das Haus der Adressaten mit dem Poststück hineingeht."
Aus anderer sicherer Quelle erfahre ich, daß diese Einrichtung

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