Full text: Volume (Bd. 20 (1871))

286

Königreich Preußen. Art. 740.

oder einer Person der Besatzung herbeigeführt und ob ein Causal-
nepus zwischen der Nichterfüllung ihrer Obliegenheit und dem Zu-
sammenstoß bestehe oder nicht. Derselbe verkennt nämlich einer-
seits das unerläßliche Erforderniß des von der Mannschaft ver-
schuldeten Schadens, welches begrifflich den gedachten Causalnepus
voraussetzt, andererseits aber die Regeln von der Beweislast. Die
außercontractliche culpa aber muß nach allgemeinen Rechtsgrund-
sätzen ebenso wie jeden sonstigen thatsächlichen Umstand, aus wel-
chem ein Anspruch abgeleitet wird, der Beschädigte beweisen. Auch
die eventuelle Ansicht des Klägers, es sei dargethan, daß das auf
des Lootsen Commando: „Anker gehen lassen" unterbliebene sofor-
tige Herabsallen des Ankers das fragliche Versehen der Besatzung
constatire, indem ohne solches der Anker beim ersten Commando
„gefaßt" und die Witch vor Erreichung des Fritz gehalten haben
würde, ist nicht gerechtfertigt. Der Appellationsrichter hält mit Recht
für bewiesen, daß das Fallenlassen des Ankers nicht mit blitzartiger
Schnelligkeit ausführbar, hierzu vielmehr mindestens ein Zeitraum
von 25 Secunden erforderlich gewesen, und daß deshalb das Com-
mando bei Unterstellung der Geschwindigkeit der Witch von nur
2 Knoten Fahrt zur Verhütung des Zusammenstoßes mit dem nur
noch 20 Faden entfernten Fritz zu spät erfolgt sei. Die Prämissen
dieser Schlußfolgerung sind wohl begründet. Insbesondere gilt
dies von der angenommenen Geschwindigkeit des Schiffs von 2 Kno-
ten, da dieselbe nach des Klägers eigener Angabe sogar 5 Knoten
betrug. Ein Gleiches gilt von der erwähnten Zeitbestimmung von
25 Secunden, da die Navigationslehrer S. und B., welchen bei
ihrer Qualification als Lootsencommandeure und Schiffer erster
Classe und wegen ihrer gleichzeitigen Eigenschaft als wissenschaftlich
gebildete Theoretiker ein besonders in die Wagschale fallendes
Urtheil beizumessen ist, die vom Commando bis zum Moment,
wo der Anker den Grund berührt, nothwendig verfließende Zeit
auf mindestens 30 Secunden schätzen. Es gehören nämlich zum
Fallenlassen des Ankers vom sogenannten Patentschnepper vorher
noch das Wegziehen des Splints durch Hammerschläge, das Ein-
setzen des Hebels und das Ablaufen der überholten Kette. Hier-
nach ist die Unmöglichkeit der Hemmung des Schiffs im Moment
des Commandos: „Anker gehen lassen," also die Unmöglichkeit,

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer