Full text: Volume (Bd. 20 (1871))

246 Königreich Preußen. Art. 357. 324. 342.
weil Erfurt der Erfüllungsort gewesen und der Hafer von dort auf
Gefahr der Käuferin gelaufen sei; dagegen
zu 2) eingewendet, daß contractlich bis zum 10. Juni keines-
wegs zu verladen, sondern vielmehr von der Verklagten zu dis-
poniren gewesen sei, daß also bis dahin letztere sich zu entschließen
gehabt habe, wann die Absendung erfolgen solle; einen solchen
Entschluß habe Verkäuferin nicht notificirt, und unterm 20. Juni
ihren Rücktritt durch die Anzeige erklärt, daß sie ihren Bedarf
anderweit gedeckt. Der Verkäuferin sei, bei übrigens achttägiger
Fahrzeit aus Baiern sowohl als ab Erfurt, die Lieferung unmög-
lich gewesen, weil in Baiern schon von Anfang Juni und von
Erfurt aus der Thüringer Bahn seit Mitte Juni eine völlige
Hemmung des Verkehrs eingetreten. Eventuell werde der ganze
Schadensanspruch in quali et quanto bestritten, die Forderung
entgangenen Gewinns umsomehr für unzulässig erklärt, als Ver -
klagte in der fraglichen Zeit ihren Bedarf anderweit für 1 Thlr.
10 Sgr. bis 1 Thlr. 12 Sgr. per 50 Pfd. eingekaust habe, und
hiernach nicht blos Verwerfung der illiquiden Compensation, son-
dern auch Verweisung des mit der Convention nicht aus demselben
Geschäft stammenden Reconvention all 8 ex aratum beantragt.
Die Beweisaufnahme ergab:
a) durch Vernehmung einestheils des Bergisch-Märkischen Gü-
tereppedienten, daß bei Ankunft der Waggons in Unna deren
Frachtbriefsgewicht stimmte, anderntheils der Dienstleute
der Verklagten, daß bei der zu Hause vorgenommenen Ver-
wiegung einige Säcke ein den Zeugen nicht mehr erinner-
liches Manco bemerken ließen;
b) durch Vorlegung der beiderseitigen Commissionsbücher, daß
die Post bei der Verklagten wörtlich so, wie oben behauptet,
und zwar in Gegenwart des einen klägerischen Handlungs-
inhabers, bei der Klägerin dagegen dahin eingetragen war:
1. Mai 1866, vier Waggons bairischen Hafer, 1 Thlr.
10 Sgr. 3 Pf. Einmonatabgabe, franco Unna Lieferung
Juni.
e) durch Eides-Weigerung resp. Leistung der Klägerin, daß bei
dem Anfangs Mai gemachten Geschäft auch noch ein fünfter
Waggon Hafer, nicht aus Baiern, sondern aus dem Voigt-

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