Full text: Volume (Bd. 20 (1871))

Königreich Preußen. Art. 247 flg. 307. 215
von Inhaberpapieren selbstverständliche Voraussetzung zugegeben
worden, daß das gekaufte Papier nicht in ein Ausgebotsverfahren
verstrickt sein dürfe, und wenn die klagende Handlung rechtzeitig
dm Mangel der Aktie ermittelt und angezeigt hätte, so würde, wie
diesseits bereits in einem ganz gleichen Falle ausgeführt worden
(vergl. die im 33. Bande des Striethorst'schen Archivs, Seite 67
mitgetheilte kammergerichtliche Entscheidung vom Jahre 1858), die
verklagte Handlung verpflichtet erscheinen, der ersteren mindestens
für die durch die Anzeige zu den Aufgebotsakten und die sonstigen
Weiterungen erwachsenen Kosten, sowie Zins- und Dividendenver-
luste auszukommen.
Ebenso ist in Uebereinstimmung mit dem behaupteten Handels-
gebrauche oben ausgeführt, daß die klagende Handlung in dem
Augenblicke des Kaufs und der Empfangnahme der Aktie nicht
deren Mangel der erwähnten Art sofort zu kennen und zu rügen
brauchte.
Den Kernpunkt der Entscheidung aber, daß es nämlich als
durch die Sorgfalt, zu welcher ein den Kauf und Verkauf von
Staatspapieren, Aktien oder anderen für den Handelsverkehr be-
stimmten Werthpapieren gewerbsmäßig betreibender Bankier ver-
pflichtet ist, bedingt erscheint, aus den ihm zugänglichen öffentlichen
Blättern Listen über die in einem Amortisationsversahren aufge-
rufenen Nummern von dergleichen Werthpapieren anfertigen und
mit ihrem Inhalte die Nummern eingekaufter Werthpapiere nach
deren erlangtem Besitze zu vergleichen — so daß eine Verabsäu-
mung dieses Verfahrens sich als ein schuldbares Versehen charak-
terisirt, dessen Folgen der Bankier selbst tragen muß — diesen
Punkt läßt auch der behauptete Handelsgesetzbrauch völlig un-
berührt. —
Eine Erörterung der übrigen zwischen den^Parteien streitigen
Fragen, namentlich ob eventuell die klagende Handlung die Ge-
währung einer neuen Aktie oder nicht vielmehr nur Restitution
des Kaufpreises nebst Zinsen hätte fordern dürfen, ob der Anspruch
bereits durch Verjährung oder durch eine Unmöglichkeit, die Aktie
in dem empfangenen Zustande zurückzugeben, erloschen sei, konnte
bei der durch die obigen Erwägungen gebotenen sofortigen gänz-
lichen Abweisung der klagenden Handlung unterbleiben.

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer