Full text: Volume (Bd. 20 (1871))

Königreich Preußen. Art. 347 flg. 307. 211
Vorliegend genügt es darauf hinzuweisen, daß eine Nachforschung
am 7. Juni 1866 ergeben hätte, daß ein Amortisationser-
kenntniß für Nr. 34946 nicht aushing, da der Aushang erst am
8. Juni 1866 erfolgte. Hiermit ist nachgewiesen, daß der Klägerin
keine Versehen dabei zur Last fällt, wenn das Amortisationserkennt-
niß erging. Wenn nun auch der durch das Versehen der unter-
bliebenen Meldung im Ausgebotsverfahren entstandene Schaden erst
in der Besitzzeit der Klägerin in die Aeußerlichkeit eintrat, so ist
er doch zurückzuführen aus die Zeit seiner Veranlassung; ersatzpflich-
tig ist derjenige, welcher das Versehen beging; dieser muß die Fol-
gen gegen sich gelten lassen und kann keinen Einwand daraus ent-
nehmen, daß ihm die Aktie im übergebenen Zustande nicht zurück-
geliesert werden könne, denn diese Unmöglichkeit ist nicht durch eine
Thätigkeit oder Unterlassung des Käufers, sondern durch die Nach-
lässigkeit des Vorbesitzers selbst herbeigeführt. Vergl. lex 38, § 3
lex 47, § 1; lex 25 pr. (eaet. 8i ante kalt), Dig. de aed. ed 21,1.
Auf den vorstehend bezeichneten Besitzer (Eigenthümer) der Aktie
laufen die Ansprüche zurück und zu diesem Zwecke mögen die Litis-
denunziationen zweckentsprechend gewesen sein; die Verklagte kann
jedoch nicht den Einwand der mangelnden Passivlegitimation er-
heben, weil nicht sie, sondern ein Vorbesitzer das Versehen begangen
habe; einer solchen Einrede, die in der That auch nicht erhoben ist,
steht entgegen, daß Klägerin lediglich mit der Verklagten iw Ver-
tragsverhältniß steht, und diese dafür zu haften hat, daß die Klä-
gerin sich der übergebenen Aktie uneingeschränkt als ihr Eigenthum
bedienen könne, unbedroht durch frühere in ihren Folgen erst später
zur Erkennung gelangte Ereignisse. Der von der Verklagten er-
hobene Einwand der Verjährung erledigt sich aus § 344, Th. I, 5
allg. L.-R. und dem Umstand, daß nicht erwiesen ist, daß Klägerin
früher als den 20. März 1868 von der erfolgten Amortisation
Kenutniß gehabt habe, wonächst die Klage am 1. Mai 1868 einge-
gangen ist.
Gegen den Klageantrag im Einzelnen ist von der Verklagten
ein Einspruch nicht gemacht und war deshalb die Verurtheilung
dem Anträge gemäß auszusprechen.
Gegen dieses Erkenntniß hat die Verklagte appellirt. Die
Klägerin hat in ihrer Appellationsbeantwortung hervorgehoben,
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