Full text: Volume (Bd. 20 (1871))

Königreich Preußen. Art. 347 flg. 307.

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so müßte er auch in die Lage versetzt werden, diese Liste dadmch
entsprechend fortzuführen, daß er nach Beseitigung des Aufgebots-
Verfahrens die betreffende Nummer streiche. Dies ist er aber nicht
im Stande, denn obwohl im Laufe des Aufgebotsverfahrens vom
Aufgebotskläger einzelne Nummern zurückgezogen sind, so ist wegen
derselben nicht etwa das Aufgebotsverfahren öffentlich und aus-
drücklich zurückgenommen, vielmehr ist nur veranlaßt, daß in den
spätern Bekanntmachungen diese Nummer fortgelassen und in den
Aushängen an Gerichtsstelle gestrichen sind. Eine solche Erkennbar-
machung der Erledigung des Aufgebotsverfahrens ist aber auch un-
thunlich gewesen in dem Falle, wenn die Rücknahme des Ausge-
botsantrags nach geschehenem Abdruck der öffentlichen Bekannt-
machungen erfolgt war. Endlich ist es nicht in allen Fällen vor-
geschrieben, daß die geschehene Ausfertigung einer neuen Urkunde an
Stelle der amortisirten öffentlich bekannt gemacht wird und hat eine
solche Bekanntmachung namentlich wegen der hier in Rede stehenden
Aktie nicht stattgefunden, so daß auch in dieser Weise es unaus-
führbar ist, für den Bankier eine richtige Liste zu halten. Wenn
deshalb vom Bankier eine Aufgebotsliste nicht geführt wird, so
fällt ihm kein Versehen zur Last, denn es kann ihm nicht zuge-
nluthet werden, sich einer Arbeit zu unterziehen, welche kernen Nutzen
bringen kann, sondern wegen der unvermeidlichen Fehler geschäfts-
störend wirken muß. Der hier der Klägerin gemachte Vorwurf ist
somit hinfällig. Allerdings hätte Klägerin von dem schwebenden
Aufgebotsverfahren Kenntniß erlangen können, wenn sie sich an-
sragend sofort nach Erwerb der Aktie an die kgl. Direktion der
oberschlesischen Eisenbahn gewendet hätte, da diese vorschriftsmäßig
durch das Stadtgericht in Breslau von dem Aufgebotsantrag in
Kenntniß gesetzt war. In diesem Unterlassen kann jedoch ein Ver-
sehen nicht gefunden werden, da bekanntlich auch der ängstlichste
Erwerber eines Jnhaberpapiers solche Rückfragen njcht stellt, die
überdies auch, wenn sie Regel wären, dem Emittenten eine Arbeit
aufbürden würden, welche zu übernehmen er keine Verpflichtung hat.
In Betracht ist hierbei auch zu ziehen, daß die Direktion der ober-
schlesischen Eisenbahn von der Rücknahme der einzelnen Aufgebots-
anträge nicht in Kenntniß gesetzt ist, dieselbe sich somit in der Lage
befunden hätte, Nummern als aufgerufen zu bezeichnen, welche eS
Archiv für deutsches Handelsrecht. Bd. XX. 14

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