Full text: Volume (Bd. 20 (1871))

204 Königreich Preußen. Art. 347 allg. L.-R, I, 5. 319. flg. rc.
zum Gegenstand des Vertrags gemacht. Damit stelle sich der In-
halt des gethätigten Vertrags selbst als ein solcher dar, welcher
in Bezug aus die gegenseitigen Rechte und Verbindlichkeiten der
Contrahenten, die Rücksichtnahme aus eine mögliche anderweite
Verwendung und Bestimmung der Gerste ausschließe. Nun aber
sei es bezüglich der Gewährleistung ein in dem allg. L.-R., Tit. 5,
Th. I, und in dem § 192, Tit. 11, Th. I ausgesprochener Grund-
satz, daß der Verkäufer dem Käufer dafür hasten müsse, daß sich
die letztere der verkauften Sache nach der Natur und dem Inhalte
des Vertrags, oder, wie sich der § 192 loc. cit. ausdrücke, in der
Beschaffenheit, wie sie von dem Käufer bedungen worden, bedienen
könne. An diesen allgemeinen Grundsatz reihten sich dann die
speciellen Vorschriften über Gewährleistung wegen fehlender Be-
dingungen und gewöhnlich vorausgesetzten Eiqenschafter an.
88 319 ff, I, 5; tz 193, I, 11 allg. L.-R.
Die Frage ad 2), welche auch bei einem Kaufe nach Probe
nicht ausgeschlossen,
vergl. Art. 347, Abs. 4 des H.-G.-B.
wurde auf Grund der eidlichen Gutachten der Sachverständigen
bejaht. Dieselben sprachen sich dahin aus:
Im Allgemeinen werde bei der Wahl der Gerste zum Bier-
brauen die Qualität gewöhnlich nach gewissen äußeren Merk-
malen beurtheilt, d. h. die Gerste müsse selbst an den Spitzen
eine gleiche lichtgelbe Farbe zeigen, die Keime müßten von
gleicher Größe, vollkommen ausgetrocknet, gefüllt, hart, sein-
hülsig, nicht glasig und schwer von Gewicht sein; auch müsse
die Gerste einen reinen Geruch besitzen, und dürfe keine
andern Getreidearten beigemengt erhalten.
Indessen gäben diese äußere Merkmale noch keine völlige
Gewißheit dafür, daß die Gerste auch demnächst beim Malzen
als keimfähig und daher als taugliche Braugerste sich zeige,
indem, wenn die Gerste alt sei, dieselbe trotz der angegebenen
äußeren Merkmale doch der Keimfähigkeit ermangele, und
darum als Braugerste nicht tauglich sei.
Daß die gelieferte Gerste diese Untauglichkeit zum Brauen
gehabt habe, wurde von den Sachverständigen nachgewiesen.
Einer der Experten, ein theoretisch gebildeter Chemiker, machte

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