Full text: Volume (Bd. 20 (1871))

Königreich Preußen. Art. 346.

197

Nach Uebergabe der Waare an den Spediteur oder Fracht-
führer oder die sonst zum Transport der Waare bestimmte
Person trägt der Käufer die Gefahr, von welcher die
Waare betroffen wird. Hat jedoch der Käufer eine be-
sondere Anweisung über die Art der Versendung ertheilt,
und ist der Verkäufer ohne dringende Veranlassung davon
abgewichen, so ist dieser für den daraus entstehenden
Schaden verantwortlich.
Nun entsteht aber dann häufig Streit, wenn der Verkäufer
dem ersten Satze des Art. 345 entsprechend die Waare abgesendet
hat, dieselbe aber beim Käufer nicht eingetroffen ist. Der Käufer
weigert sich dann, die nicht erhaltene Waare zu bezahlen. Kann
aber der Verlust der Waare weder einem Verschulden des Ver-
käufers noch der Schuld des Käufers zugeschrieben werden, so ist
für beide der Verlust der Waare als ein Zufall anzusehen, wel-
cher nach Art. 345 den Käufer trifft. Deshalb hat in einem sol-
chen Falle am 11. Januar 1870 das Appellationsgericht zu
Naumburg den Käufer zur Bezahlung des Kaufpreises verurtheilt,
weil der Verkäufer durch die Absendung der Waare seiner Ver-
pflichtung genügt hat, und der Käufer sich wegen des Verlustes der
Waare an den Frachtfuhrmann halten muß?) v. K.
Art. 346.
Begriff der gewöhnlich vorausgesetzten (gesetzmäßigen)
Eigenschaften der verkauften Sache.*) **)''
Erk. des Obertribunals zu Berlin (IV.Senat) vom
21. Januar 1869. (Striethorst, Archiv, Bd. 73, S.251.)
Der Kläger hat nicht überhaupt einen Wagen von dem Ver-
klagten gekauft, sondern er hat den Wagen desselben gekauft, auf
welchem sein Bruder, Buchbinder Ebert, ihn als einen solchen auf-
merksam machte, welchen der zu Lippehne wohnende Verklagte
zum Verfahren des Mineralwassers seiner Fabrik besitze. Dies
geht aus dem eigenen Briefe des Klägers vom 25. März 1867
hervor.
*) Frankfurter Sammlung, Bd. 3, S. 14 und Goldschmidt, Zeitschrift,
Bd. 5, 6. 273.
**) Vergl. Busch, Archiv, Bd. V, S. 271.

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer