Full text: Volume (Bd. 20 (1871))

Bericht über die Eröffnung des B.-O.-H.-G.

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Der Appellationsgerichts-Präsident von Erregern ergriff hier-
auf das Wort, hielt sich zwar nicht für berechtigt, den Gerichtshof
im Namen der gesammten sächsischen Justiz in Sachsen willkommen
zu heißen, gab jedoch im Namen des Appellationsgerichts zu Leipzig
mit Bezugnahme auf dessen ziemlich bedeutende handelsgerichtliche
Competenz zweiter Instanz der Ueberzeugung Ausdruck, daß das
Bundes - Oberhandelsgericht demselben das sein werde, was ihm
das Königlich Sächsische Oberappellationsgericht stets gewesen sei
und in den verfassungsmäßig diesem vorbehaltenen Rechtssphären
bleiben werde, nämlich ein leuchtendes Vorbild in seinem Berufe,
ein Gegenstand der aufrichtigsten, innigsten Verehrung und Hoch-
achtung und empfahl in diesem Sinne das Collegium des Appel-
lationsgerichts dem Wohlwollen, dessen Leistungen aber der nach-
sichtigen Beurtheilung des neuen obersten Gerichtshofs.
Der Präsident Dr. Pape dankte im Namen des Bundes-
Oberhandelsgerichts für den freundlichen Gruß des Leipziger Appel-
lationsgerichts und sprach die Hoffnung aus, daß es ihm und den
übrigen Mitgliedern des ersteren vergönnt sein werde, den mit
ihnen denselben Beruf theilenden Mitgliedern der in verdientem
Ansehen stehenden Leipziger Justizcollegien persönlich näher zu treten.
Sodann brachte im Namen der Universität Leipzig der Rector
magnificus Professor Dr. Zarncke dem neuerrichteten Gerichts-
höfe die herzlichsten Glückwünsche und einen frohen Willkommen-
gruß dar, erklärte, daß, obwohl derselbe mit den Verhältnissen der
ersteren nicht unmittelbar Etwas zu thun habe, dennoch von dem
ersten Momente an, wo der Gedanke an dessen Errichtung aufge-
kommen sei, der Tag seiner Eröffnung von don Lehrern und
Schülern der Leipziger Universität als ein hoher Festtag für letztere
betrachtet worden sei, da es von jeher die überkommene, von ihnen
selbst in den schlimmsten Zeiten der Zerrissenheit unseres Vater-
landes nicht fallen gelassene Aufgabe der deutschen Universitäten
gewesen sei, die nationale Bedeutung und die Einheit des ganzen
großen Deutschlands hoch zu halten, nun aber man in der Gründung
des Bundes-Oberhandelsgerichts einen bedeutenden Schritt zur Er-
reichung dieses Zweckes begrüßen zu können geglaubt habe, hob her-
vor, daß nicht die Einheit der Gesetzgebung allein die nöthige
Bürgschaft gewähre, sondern die Einheitlichkeit der richterlichen

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