Full text: Volume (Bd. 23 (1871))

Bezirk des O.-A.-G. zu Lübeck. Zu Titel 5. Buch 4 re. 81
in dem von dem Transport zu Lande und auf Flüssen handeln-
den 5. Titel des 4. Buches darüber keine Bestimmung enthält,
welchen Einfluß es auf den Frachtanspruch habe, wenn die Vollen-
dung des Transports in Folge eines casuellen Ereignisses unmög-
lich wird, die Entscheidung dieser Frage daher nach allgemeinen
Rechtsgrundsätzen zu treffen ist —
vgl. Berathungsprotocolle S. 4687 —;
da nun aber es mit den Principien des Civilrechts vollkom-
men übereinstimmt, daß für Güter, die durch einen Unfall wäh-
rend des Transports verloren gegangen sind, keine Fracht zu be-
zahlen sei (Art. 618) und daß, wenn das Schiff verloren geht,
die Fracht im Verhältniß der zurückgelegten zu der ganzen Reise
zu entrichten sei —
vgl. Neues Archiv für Handelsrecht, Bd. II, S. 320/1.
es auch unbedenklich erschemen muß, die näheren Bestimmungen,
welche das H.-G.-B. in Bezug auf diese Materie im Seerecht
trifft, ebenfalls auf die Flußschifffahrt anzuwenden, indem nicht
einzusehen ist, warum in dieser Beziehung der Flußschisser anders
wie der Seeschiffer behandelt werden soll;
da somit der klägerische Mandant für denjenigen Theil der
Ladung, welcher verloren gegangen ist, keine Fracht beanspruchen
kann, und für den geretteten Theil nur die Distanzfracht und auch
diese nur insoweit, als zur Bestreitung derselben der Werth des
geretteten Theils nach Abzug der Bergungskosten ausreicht, kläge-
rischer Mandant aber auch verpflichtet sein würde, falls derselbe,
— wie Beklagter behauptet — einen Frachtvorschuß von 25 Thlrn.
erhalten haben sollte, diesen Betrag auf die ihm zukommende
Distanzfracht in Anrechnung zu bringen;
da dem Anspruch auf Distanzfracht, namentlich auch der
Umstand nicht entgegensteht, daß die Bergung nicht durch den
Schiffer, sondern durch einen Vertreter des Ladungsintereffenten
bewerkstelligt wurde und auch nicht angenommen werden kann,
daß, abgesehen von der eben angedeuteten Eventualität dem Schiffer
ein Abzug für Bergungskosten gemacht werden dürfe —
vgl. Preußischer Entwurf eines H.-G.-B., Motive zu
Art. 513 und 514, S. 280/1; Berathungsprotocolle
S. 2399/400; —
Archiv für deutsches Handelsrecht. Bd. XXIII 6

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