Full text: Volume (Bd. 23 (1871))

Bezirk des O.-A.-G. zu Lübeck. Art. 380. 384. 423
daß zu der Zeit, in welcher der Beklagte der Klägerin
den Auftrag ertheilte, seine Lumpen gegen Seegefahr zu
versichern, Lumpen nach dem Rotterdamer Platzgebrauch
nicht gegen einfache Beschädigung versichert zu werden
pflegten,
indem das Obertribunal ausführte:
I. Klägerin hatte eingewendet, daß eine Versicherung gegen
partielle Beschädigung am Orte ihrer Niederlassung, nämlich zu
Rotterdam, wo sie den Versicherungsauftrag empfangen, bei dem
Artikel Lumpen nicht üblich sei, daß Beklagter, der mit Lumpen
überseeischen Handel treibe, dies habe wissen müssen, daß mithin
der an sie ergangene einfache Versicherungsaustrag, wie die An-
nahme desselben, nur im Sinne der für den betreffenden Artikel
üblichen Versicherung aufzufassen sei, sie, die Klägerin, jedenfalls
eine Verantwortlichkeit nicht treffe, wenn sie den Auftrag, wie ge-
schehen, ausgesaßt und ausgeführt habe.
Die Vorderrichter haben diesen Einwand der Klägerin für
unbegründet erachtet, weil es an der am Stapelplatze wohnenden
Klägerin gewesen wäre, den binnenländischen Beklagten auf den
vom Gesetze abweichenden Rotterdamer Platzgebrauch aufmerksam
zu machen, und, wenn sie dies nicht gethan, und somit den Be-
klagten in dem Glauben gelassen habe, daß er gegen Seegesahr
soweit gesetzlich möglich gesichert sei, sie die Sorgfalt eines vor-
sichtigen Kaufmanns verabsäumt und sich daher auch für die deß-
fallsigen Folgen verantwortlich gemacht habe.
Dieser Ansicht der Borderrichter konnte indessen mcht beige-
treten werden. Auch der Binnenländer, welcher mit einem be-
stimmten Artikel über See Handel treibt, muß mit den dieses Ge-
schäft betreffenden Verhältnissen, also auch, wenn es sich um die
Versicherung der Waaren gegen Seegefahr handelt, mit der Ber-
sicherungsweise derselben bekannt sein. Nun kann zwar sowohl
nach dem Holländischen Handelsgesetzbuche
Tit. 9 Bd. 1 Art. 246, 249, Tit. 9 Bd. 2 Art. 593
wie nach dem a. d. H.-G.-B. jeder Schaden, den ein Versandt-
gut treffen kann, gegen die Seegesahr versichert werden. Allein
wenn an dem Stapelplatze, von wo die Waare über See gehen
soll, der Platzgebrauch besteht, gerade diese Gattung von Waare

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