Full text: Volume (Bd. 23 (1871))

264

Königreich Preußen. Art. 173 ff. (94. 103.)

Eröffnung allgemeiner Aussichten nicht fesseln lassen, allein dann
hätten die Beklagten sich zum Abschluß mit ihnen von vorn herein
ermächtigen lassen, anstatt wie geschehen, mit der Zeichnungsauffor-
derung jedem Zeichnungslusligen der Sache nach zu erklären, man'
solle nicht sorgen, ihre Macht gehe nicht zu definitiven Abschlüssen,
die Genehmigung der Generalversammlung mache ihre Engage-
mentsverträge perfekt.
Endlich ist es richtig, daß ein Mandatar nur zu demjenigen
xGrade von Sorgfalt und Vorsicht verpflichtet ist, den er in
seinen eigenen Angelegenheiten anzuwenden pflegt.
§ 55. Tit. 13, § 211. Tit. 17, Thl. I. A. L.-R. Art.
94. H.-G.-B.
Allein diese Regel betrifft nur die Ausführung der innerhalb
des Auftrages ausgeführten Geschäfte, sie entlastet nicht rücksicht-
lich eigenmächtiger außerhalb des Auftrages liegender Handlungen.
Es ist^deshalb unerheblich, ob die Beklagten durch ihre festen
Abschlüsse mit Köhler mehr Verlust gehabt haben, als der Kläger.
Sonach weigert sich der Kläger mit Recht, einen seiner Ein-
zahlung entsprechenden Theil der an Köhler und Albert geleisteten
Gehalts- und Abfindungszahlen zu tragen. Denn daß die von
beiden gelieferte Arbeit von den außerdem salirirten Functionären
Teschendorf und Klinksink nicht habe gethan werden können, und
event. daß dieselben, abgesehen von der anticipirten Stellung
Beider als persönlich haftender Gesellschafter mit 3450 Thlr. nur
angemessen bezahlt sei, ist nicht behauptet, geschweige unter Be-
weis gestellt.
Die übrigen Positionen des Handlungs-Unkosten-Kontos,
nämlich die Honorirung der genannten Funktionäre, die Bezahlung
der Boten, die Drucksachen, Inserate, Schreibmaterialien, Porto
rc., im Gesammtbetrage von 282 Thlr. 1 Ngr. 9 Pf. hat Kläger
anerkannt; sein proportionsmäßiger Antheil daran beträgt 1 Thlr.
14 Ngr. Um diese Summe hat er den 11 Beklagten gegenüber
seinen Anspruch ermäßigt. Dabei war zu belassen, im Uebrigen
aber das erste Urtheil zu bestätigen.
Die von den Beklagten hiergegen eingelegte Nichtigkeitsbe-
schwerde ist laut Erkenntniß des Ober-Tribunals (4. Senat)
vom 27. Sept. 1870 verworfen.

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer