Full text: Volume (Bd. 18 (1870))

296 Königreich Sachsen. Art. 57. 62. 64.
Dienstherrn das Recht abspricht, wegen Krankheit seiner Hand-
lungsgehilfen von sechswöchiger oder kürzerer Dauer die Auflösung
des Vertrags zu verlangen.
Man würde aber auch bei der Annahme einer, den Kläger
auf die Zeit von 8 Wochen an der Verrichtung seiner Dienste ver-
hindernden, Krankheit zu einer Beklagtem günstigen Entscheidung
nicht zu gelangen vermögen. Man kann unter „anhaltender Krank-
heit" nur eine solche, deren naturgemäße Heilung sich verzögert,
nicht eine' regelmäßig verlaufende — eine solche liegt aber nach
der Klage vor, und Beklagter hat etwas Weiteres nicht ausgeführt
— verstehen. Es spricht Art. 60, welcher das Princip aufstellt, daß der
Handlungsgehilfe im Falle der Verhinderung an Leistung seiner
Dienste in Folge unverschuldeten Unglücks seiner Ansprüche aus Ge-
halt jedoch nur auf die Dauer von 6 Wochen nicht verlustig gehe,
stillschweigend aus, daß eine nicht erheblich länger als 6 Wochen
dauernde Krankheit den Dienstherrn zwar von weiterer Zahlung
des bedungenen Lohns befreie, aber ihn noch nicht zur Contracts-
auflösung berechtige. Endlich kann eine auch im Hinblick auf die,
wie schon ein Blick aus den Kündigungspassus lehrt, von den Par-
teien beabsichtigte lange Dauer des kontraktlichen Verhältnisses,
wobei es dem Beklagten darauf ankam, den Kläger auf eine Reihe
von Jahren für die Redaction seines Blattes zu gewinnen, eine 8
wöchige Krankheit Klägers nicht für einen wichtigen Grund an-
sehen, der zu Aufhebung des Dienstverhältnisses berechtige, (Art. 62).
Kläger verlangt das ihm bedungene Honorar für die ganze
Dauer der ihn betroffenen Krankheit, obgleich er hat zugeben müs-
sen, daß er länger als 6 Wochen im Krankenhause zugebracht hat.
Nach der Ansicht des gegenwärtig entscheidenden Gerichts leidet der
Art. 60 hier nicht Anwendung, weil Beklagter schon vor Ablauf
dieser 6 Wochen das Dienstverhältniß einseitig aufgehoben, und
er nur dann, wenn der Dienstleistende zu dem Dienste nicht bereit
war, von Zahlung der Gegenleistung befreit ist, (§ 1239 des bür-
gerlichen G.-B.), also zu der einen Thatsache, daß der letztere durch
Krankheit an dem Dienste verhindert ist, noch die andere hinzutreten
muß, daß der Dienstberechtigte unter Rücknahme der früher er-
klärten Weigerung ihn nunmehr, und zwar vergeblich zur Leistung
der Dienste auffordert, überdieß Klägers Behauptung, daß er vom

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