Full text: Volume (Bd. 18 (1870))

312

Abhandlungen.

Papiergeld und Banknoten stimmen in folgenden Beziehungen
überein:
Beide sind
1. Urkunden, mithin Sachen,
2. Urkunden über ein Versprechen, mithin Rechtsurkunden,
3. Urkunden über ein Versprechen an den Inhaber, mithin In-
st aberpapiere,
4. Urkunden über ein Zahlungsversprechen an den Inhaber; da
es Jnhaberpapiere gibt, welche kein Zahlungsversprechen ent-
halten, wie Actien, Anteilscheine, so sind Banknoten und
Papiergeld im System unter die Zahlungsversprechen an In-
haber einzureihen.
Es ist aber, wie wir gesehen haben, das im Papiergeld ent-
haltene Zahlungsversprechen nicht allenthalben ebenso vollständig
anerkannt, wie bei den Banknoten. Bei diesen ist, ohne Aus-
nahme, so viel mir bekannt, die Verpflichtung zur sofortigen Ein-
lösung ausdrücklich in dem Papier ausgesprochen; bei dem Papier-
geld ist gewöhnlich nur die Verpflichtung zur Annahme in Zahlung
ausgesprochen, dagegen sind zuweilen, d. h. von einigen Staaten,
welche Papiergeld ausgegeben haben, auch Veranstaltungen getroffen,
um dasselbe sofort auf Vorzeigen einzulösen. Von diesem Papiergeld
sagt Unger in der Note 18, S. 12 1. e., es trete in der Gestalt
eines Schuldscheins au xortour auf, es setze sich an das Papier-
geld ein abstractes schriftliches Versprechen an. Sonach er-
kennt dieser berühmte Rechtslehrer wenigstens insoweit die obli-
gatorische Natur des Papiergelds an. Auch Goldschmidt erkennt,
wie wir oben gesehen haben, die Verpflichtung des Ausstellers von
Papiergeld zur Annahme desselben in Zahlung, mithin ebenfalls
dessen obligatorische Natur an. Aber auch bei diesem Papiergeld
besteht die Verbindlichkeit des Ausstellers zur endlichen Einlösung;
die Erfüllung dieser ^Verbindlichkeit ist allerdings aufgeschoben bis
zu dem Zeitpunkt, da das Papiergeld außer Circulation gesetzt und
eingezogen werden soll; man kann daher die Verbindlichkeit eine
betagte nennen, aber sie besteht darum nicht minder, wenn auch
der Zeitpunkt der Erfüllung unbestimmt oder sogar in die Willkür
des Verpflichteten gesetzt ist. Auch dieses Papiergeld ist, wie
Savigny sagt, eine Schuld des Ausstellers; Klüber definirt, wie ich

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer