Full text: Archiv für Theorie und Praxis des allgemeinen deutschen Handelsrechts (Bd. 18 (1870))

Das schriftliche Zahlungsversprechen. 311
von X Gulden, Thalern, Franken; sondern er sage vielmehr: Ich
verspreche, dieses Stück Papier seiner Zeit zu dem darin benannten
Betrag wieder einzulösen, bis dahin aber es jeder Zeit in Zahlung
zu nehmen; und weil ich dieses verspreche, kannst Du dieses Pa-
pier sür den angegebenen Betrag annehmen." In dieser Weise
erhält das Ausgeben des Papiergelds einen vernünftigen Sinn.
Es wird, wie schon Gönner in seinem deutschen Staatsrecht,
§ 393 und 394 sagt, ein Privatgeschäft d. h. ein Geschäft privat-
rechtlicher Natur zwischen dem Aussteller des Papiergelds und dem
Nehmer geschlossen; allerdings nicht expressis verbis, aber das -
ist ja gerade die Aufgabe der Rechtswissenschaft, den Sinn der
Rechtsvorgänge zu ergründen. Allerdings paßt diese Erklärung
nur da, wo das Papiergeld freiwillig angenominen wird, nicht da,
wo ein Zwangscurs besteht. Ich habe mich schon oben darüber
ausgesprochen, daß ich den Zwangscurs für einen Act der Gewalt
ansehe; eben deßhalb müssen wir annehmen, daß diese Gewalt sich
nicht weiter erstreckt, als für den Zweck erforderlich ist, daß der
Aussteller also nicht seine Verbindlichkeit zur künftigen Einlösung
des von ihm ausgegebenen Papiergelds überhaupt negiren, (denn
dadurch würde er ja dem Credit desselben schaden,) vielmehr daß
er nur dem Mißtrauen, als werde er künftig dieser Verbindlichkeit
nicht entsprechen, mittels des Gewaltacts begegnen und dadurch
das Publicum zwingen will, das Papier trotz des obwaltenden
Mißtrauens zu dem angegebenen Betrag anzunehmen. An dem
Curs, den das Zwangspapiergeld im Auslande hat, läßt sich der
Grad des Vertrauens ermessen, den dieses in die Zahlungsfähig-
keit des Staates setzt, der das Papiergeld ausgegeben hat; aller-
dings wirken zeitweise dabei noch andere Umstände mit, aber im
Großen und Ganzen wird dieser Maßstab stets zutrefsen, ein Be-
weis, daß das handeltreibende Publicum von der Ansicht ausgeht,
der Aussteller von Papiergeld sei zur Einlösung desselben verbun-
den. Auch glaube ich kaum, daß irgend ein Staat diese seine
Verbindlichkeit je beabredet hat, wogegen sehr viele Beispiele ange-
führt werden können, in welchen diese Verbindlichkeit thatsächlich
anerkannt wurde, so z. B. in der jüngsten Zeit von Preußen.
Auch ist gar nicht abzusehen, warum Banken die Verpflichtung
haben sollten, ihre Noten einzulösen, Staaten aber nicht.

Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer