Full text: Volume (Bd. 18 (1870))

310

Abhandlungen.

als ein schriftlich gegebenes, abstractes Summenversprechen,
welches durch die gesicherte Einlösbarkeit geeignet ist, als Zahlungs-
mittel statt des baaren Geldes zu dienen. Es ist schon oben
darauf hingewiesen, daß Thöl^) in dem Papiergeld ebenfalls ein
Summenversprechen sieht, wobei er ganz mit Recht darauf auf-
merksam macht, daß der Wechsel mit dem Papiergeld das Genus,
nämlich das Summenversprechen gemein habe, beide sich aber
specisisch von einander unterscheiden. Gerade dieses habe ich in
meiner Abhandlung: Ist der Wechsel ein Papiergeld? auszuführen
versucht 14J und die einzelnen (specisischen) Unterschiede beider an-
gegeben; auch habe ich damals schon hervorgehoben, daß beide
darin übereinstimmen, daß durch dieselben ein Versprechen des
Ausstellers beurkundet wird; nur habe ich damals noch unter-
schieden zwischen dem Papiergeld, das der Aussteller in Geld um-
zusetzen und zwischen demjenigen, da's er nur in Zahlung zu neh-
men versprochen hat. Ich habe damals noch nicht erkannt, daß
der Aussteller auch im letzteren Fall zur Einlösung rechtlich ver-
bunden ist, wenn er auch expressis verbis nur die Verbindlich-
keit zur Annahme in Zahlung anerkennt. Es verhält sich damit,
wie mit dem gezogenen Wechsel: In dem Wortlaut desselben ist
ebenfalls nur ein Auftrag zur Zahlung enthalten; gleichwohl haben
schon die alten Juristen angenommen, der Aussteller sei zur Ge-
währleistung im Fall der Nichtzahlung des Wechsels verbunden.
Diese Gewährleistung, meinten sie, sei von dem Aussteller still-
schweigend versprochen, weil er für den Wechsel einen Werth er-
halten hat; denn ohne diese Gewährleistung würde er den Gegen-
werth nur für das Papier, das, wenn es nicht honorirt wird,
werthlos ist, erhalten haben. Es kann aber nicht unterstellt wer-
den, daß vernünftige Menschen einen solch unvernünftigen Vertrag
schließen, vielmehr ist die erste Regel, Verträge so auszulegen, daß
sie einen vernünftigen Sinn haben. Dasselbe trifft bei dem Aus-
geben des Papiergelds zu. Wir können und dürfen nicht unter-
stellen, der Aussteller sage bei dem Ausgeben des Papiergelds zu
dem Nehmer: Ich gebe dir dieses Stück Papier zu dem Werth

,5) In der ersten Ausgabe seines Wechselrechtß, § 149, Note 1.
w) Archiv für Wechjelrecht, 3. Vd, S. 113 u. f.

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer