Full text: Volume (Bd. 18 (1870))

Königreich Bayern. Art. 397.

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tannt gegeben worden wäre. Daß und in welcher Weise eine
solche Bekanntmachung erfolgt sei, wurde jedoch auch hieher in
keiner Weise näher dargelegt.
Art. 3S7.
Begründung der Höhe des Schadensersatzes gegen einen
Frachtführer wegen nicht rechtzeitig erfolgter Ablieferung
des Frachtgutes.
Der Empfänger einer Waare verlangte von dem Frachtführer
den Ersatz des Werthes bezw. Kaufpreises derselben wegen
Versäumnisses ihrer rechtzeitigen Ablieferung an ihn um deßwillen,
weil er nun nicht mehr in der Lage sei, die Waare anzunehmen,
da er sie zum Zwecke der Weiterveräußerung gekauft habe und bei
der mittlerweile eingetretenen Preisminderung solche nicht ein-
mal um den Ankaufspreis weiter verkaufen könne.
Die erstrichterliche Abweisung dieser Klage in der angebrachten
Art wurde durch handelsappellationsgerichtliches Erkenntniß vom
2. August 1867 bestätigt und dazu bemerkt:
Würden die Behauptungen des Klägers auch richtig sein, so
folgt daraus noch keineswegs, daß der Frachtführer dem Adressaten
den vollen Werth der Waare oder deren Kaufpreis zu er-
setzen verpflichtet sei.
Der Frachtführer haftet für den durch die nicht rechtzeitig
geschehene Ablieferung des Gutes verursachten Schaden.
Daß das Frachtgut ganz werthlos geworden sei und dem-
nach der Schaden des Klägers in dessen Werth oder Kaufpreis
zur Zeit der Vertrags- oder übungsgemäß zu bewirkenden Ablie-
ferung bestanden habe, hat Kläger gar nicht behauptet, wie denn
auch das Vorbringen, daß eine solche Entwerthung lediglich in
nicht rechtzeitig bethätigter Ablieferung ihren Grund habe, bei der
hier in Frage stehenden Waarengattung, Leder, geradezu unglaub-
haft wäre.
Hat aber das Frachtgut durch die inzwischen eingetretenen
Preisänderungen oder auch durch Verschlechterung in seiner Quali-
tät durch längeres Lagern bei dem Frachtführer nur an Werth
verloren, so mußte Kläger angeben, wie viel dieser Werthsver-
lust betrage, welche Veränderungen in den Preisen eingetreten

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