Full text: Volume (Bd. 18 (1870))

218

Königreich Bayern. Art. 278. 282.

seinem eigenen Zugeständniß seit Jahren seinen Hopsenbedarf von
dem Kläger bezieht, konnte dieser mit Recht erwarten, daß ihm
Beklagter geschastsordmmgsmäßig Anzeige erstatten werde, wenn
er nicht die gesammte übersendete Hopfenquantität, sondern nur
einen Theil derselben behalten wollte. Während unter den
gegebenen Umständen einerseits das Schweigen des Beklagten
in dem Kläger nothwendig die Annahme Hervorrufen mußte,
daß ersterer mit der Mehrlieferung einverstanden sei, so war es
andererseits Pflicht des Beklagten, falls er nicht sämmtliche
Waare behalten wollte, durch sofortige Anzeige sich gegen die
Annahme seiner Zustimmung zu wahren. Unterließ er dieses,
so hat er entweder hiermit zu erkennen gegeben, daß er jene An-
nahme in dem Absender habe hervorrufeil wollen, oder er hat,
falls diese Absicht in der That nicht vorhanden gewesen sein sollte,
eine ihm durch Treue und Glauben gebotene Achtsamkeit dem
Absender gegenüber außer Acht gelassen und muß sich deshalb
jene Annahme gefallen lassen.
Eine solche Achtsamkeit liegt zwar nicht unbedingt Jedem
ob, dem eine Waare ohne Bestellung zugesendet wurde, ihre
Beobachtung kann und muß aber von demjenigen verlangt werden,
welcher durch eine vorgängige Bestellung in ein Vertrags-
verhält n iß mit dem Absender getreten ist.
Vermöge dieses Vertragsverhältnisses ist der Besteller nach
Handelsbrauch verpflichtet, sich zu erklären, wenn er die Waare
der Bestellung nicht entsprechend findet; sein Schweigen hat daher
auch als Genehmigung einer etwaigen Ueberschreitung der
Bestellung rücksichtlich ihres Umfanges zn gelten.
Neben diesem Schweigen kommt übrigens dermalen noch
die Thatsache in Betracht, daß Beklagter sich nach seiner eigenen
Angabe aus den übersendeten, zwei verschiedene Sorten von
Hopfen enthaltenden vier Ballen von jeder Sorte je einen Ballen
beliebig ausgewählt hat, ohne behauptet zu haben, daß er auch
von jeder Sorte einen Ballen bestellt habe oder daß er über-
haupt keine bestimmte Sorte bestellt habe.
War nun weder das Eine noch das Andere der Fall, so liegt
in der zugestandenen Verwendung je eines Ballens von jeder
Sorte eine wenigstens theilweise Annahme auch der nicht bestellten

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer