Full text: Volume (Bd. 18 (1870))

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Königreich Bayern. Art. 271, Nr. 3. 278.
handelt haben würde, als dieses dem Kläger nachgesagt worden ist.
Ob aber der Ausgang des Brandes ein anderer gewesen wäre, wenn
Kläger den Versuch gemacht hätte, des Brandes allein Herr zu
werden, läßt sich eben so wenig sagen, als Kläger davor sicher wäre,
daß sür den Fall des Mißlingens eines solchen Versuches Besagte
nicht umgekehrt aus der Unterlassung früherer Herbeirufung anderer
Leute einen Vorwurf gegen ihn abgeleitet hätte, weil erfahrungsge-
mäß Brände in einer gefüllten Scheune so rasch um sich greifen,
daß der Versuch des Löschens mit der von einem Einzigen herbeige-
schafften geringen Wassermenge hinterher immerhin als ein Miß-
griff des Abgebrannten hätte bezeichnet werden können.
In der Berufungs-Ausführung wird zwar auch auf die zu den
Untersuchungsacten beigebrachten Erhebungen über den Leumund
des Klägers hingewiesen, allein gerade diese lassen für den dadurch
Berührten nichts mehr vermissen, als die Möglichkeit sittlicher Er-
hebung zu einer selbstbewußten männlich kühnen That.
Der weitere Vorwurf, daß Kläger seine Schuldigkeit auch hin-
sichtlich des Rettens versicherter Gegenstände nicht gethan habe,
hängt mit dem eben gewürdigten auf das Innigste zusammen. Jn-
soferne aber Appellantin behauptet, Kläger habe sich beim Brande
durchaus passiv verhalten, geht sie offenbar viel zu weit und geräth
dadurch mit ihrem eigenen Vorbringen in Widerspruch, da sie an-
dererseits zugeben mußte, daß Kläger nach Entdeckung des Brandes
seine Ortsnachbarn zu Hilfe rief und nach seiner Rückkehr vor Allem
das Vieh im Stalle losmachte. Diese beiden Handlungen lassen
sich aber als ganz entschiedene Kundgebungen des Willens deuten,
eine möglichst große Anzahl rettende Personen zu versammeln und
zur Rettung der Habe selbst mit Hand anzulegen. Daß dem Kläger
hiebei das Vieh näher ging, als alles Andere, ist sehr begreiflich,
und wenn es auch mit dem Losmachen desselben nach der Meinung
der verklagten Gesellschaft, bei welcher nur zwei Stücke versichert
waren, während Kläger selbstverständlich seinen ganzen Viehstand so-
fort zu retten suchte, nicht so große Eile gehabt haben sollte, weil
sich das Feuer noch nicht dem Viehstalle selbst mitgetheilt hatte, so
kann doch dem Kläger daraus keinesfalls der Vorwurf gänzlicher
Unthätigkeit im Sinne des §. 8, lit. a des Versicherungsvertrages
gemacht werden.

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