Full text: Volume (Bd. 18 (1870))

Königreich Bayern. Art. 271, Nr. 3. 278. 199
hat, als selbstverständlich zugelassen, und zwar mit allem Fug,
da, wenn der Versicherte schon für bkdßes' Verschulden einstehen
muß, gar nichts Anderes angenommen werden kann, als daß der
absichtlichen Branderregung nur deshalb im Vertrage keine be-
sondere Erwähnung geschehen ist, weil in dem Geringeren, der
groben Fahrlässigkeit, die schwerere Verletzung von Treu mrd
Glauben, die Absichtlichkeit, ohnehin enthalten sei. Jnsoferne kann
allerdings der Verlust des Schadensersatzanspruches bei nachge-
wiesener absichtlicher Branderregung durch die Hand des Versicher-
ten als. ein selbstverständlicher bezeichnet werden.
Eben deshalb ist aber auch die Berufnngsbitte der Beklagten
um Ausdehnung des ihr bis jetzt gestatteten Beweises dahin, daß
Kläger an der durch die Hand eines Dritten ausgeführten Brand-
legung Theil genommen oder wenigstens vorher Wissenschaft von
diesem verbrecherischen Vorhaben eines Dritten gehabt habe, ge-
rechtfertigt gewesen.
Im ersteren Falle liegt nämlich die rechtswidrige Absicht und
damit die auffälligste Verletzung von Vertragstreue gerade so auf
platter Hand, wie wenn der Versicherte persönlich beit Brand gestiftet
hätte. Und nicht ininder muß aus den gedachten allgemeinen Voraus-
setzungen gefolgert iverden, daß sich Kläger wider die daraus entsprun-
gene Verpflichtung gegenüber der Beklagten schwer verfehlt hat, wenn
er von dem verbrecherischen Vorhaben eines Dritten, die Scheune
des Klägers einzuäschern, noch vor dessen Ausführung Kenntniß
hatte und es nichtsdestoweniger unterließ, irgend welche Schritte
zur Verhütung desselben zu thuu, sei es, daß er selbst angemessene
Vorkehrungen zur Abwehr der Gefahr traf oder sofort die Obrig-
keit hierzu veranlaßte oder mindestens den in der Nähe wohnenden
Agenten der Versicherungsgesellschaft darüber zu verständigen sich
beeilte und sich auf solche Weise gegen den Vorwurf grober Ver-
tragsverletzung zu sichern suchte.
Das einzige Bedenken, welches etwa gegen die Zulassung
dieser Einwendungen sprechen könnte, daß nämlich Beklagte deren
Begründung vorzugsweise aus den beigefügten Untersuchungsacten
entnommen hat, welche allerdings mit Einstellung des Verfahrens
wegen ungenügenden Verdachtes schließen, erscheint als kein hin-
reichender Grund, der Beklagten die Gelegenheit zu entziehen, den

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