Full text: Volume (Bd. 18 (1870))

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Königreich Bayern, 242. 247. 903.

gekennzeichnet wird, „daß nicht verlangt werden könne, es sollten die
Teilnehmer einer Gesellschaft ihr Capital riskiren, wo der Verlust
mit Sicherheit vorherzusehen sei, ein beabsichtigter Gewinn aber als
unmöglich erscheine/' und demnach von einer Unfähigkeit der Ge-
sellschaft, ihren bereits bestehenden Verbindlichkeiten nachzukommen,
noch weit entfernt ist.
' Das neue Vorbringen des Beklagten in der Berufung, daß
laut des beigefügten Umlaufschreibens der Gesellschaftsdirection vom
26. Jan. 1868 der Beschluß auf Vollzug der Geschäftsauflösung in
der Generalversammlung vom 24. Juli 1867 direct bekundet sei,
ist zwar richtig, führt aber neben der wiederholten Erinnerung, daß
dem Beklagten eine bloße Gesellschaftsauflöfung für feinen Zweck
nicht förderlich sein würde, blos zu dem Schluß, daß dort — wie es
auch außerdem in Mittheilungen der Gesellschaft ziemlich häufig vor-
kommt — die thatsächlichen Verhältnisse nicht in allen Richtungen
genau auseinandergehalten, die rechtlichen Begriffe nicht scharf ge-
nug unterschieden sind, was darauf, wie sich die einen und die an-
deren wirklich feststellen lassen, keinen Einfluß auszuüben vermag.
Die in dem fraglichen Schreiben enthaltene Aufforderung an die
Actionäre zu einer Nachzahlung ist an sich noch kein Zeichen einer
„Zahlungsunfähigkeit," sondern läßt sich, wie darin auch angedeutet
ist, zunächst der Bemühung für eine möglichst rasche und der Ge-
sellschaft am wenigsten empfindliche Bereinigung der verschiedenen
Gefchäftsbeziehungen beimessen, wornach es füglich dahingestellt
bleiben kann, ob die Aufforderung sich schließlich als erfolglos er-
weist oder der Behauptung des klagenden Theils in der Nebenver-
antwortung gemäß jedenfalls sicher erzwungen werden kann.
Der Schwerpunkt der Angriffe des Beklagten gegen das Ver-
halten .der Gesellschaft liegt jedoch in dessen Erörterung, daß das
Gesellschastsvermögen sich lediglich auf dem Papier befinde, der Be-
stand desselben durch künstliche Manipulationen zu decken gesucht
werde, und in der bezüglichen Bilanz insbesondere ein Hauptposten,
nämlich die Haftung der Gesellschaft für schwebende Verbindlichkeiten,
außer Acht gelassen sei.
In formeller Hinsicht läßt sich gegen die beigebrachte Bilanz
der Gesellschaft, durch welche das Resultat des Geschäftsjahres 1866,
sowie der Stand des Gesellschaftsvermögens bei dem Beginne des

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