Full text: Volume (Bd. 18 (1870))

Königreich Bayern. Art. 52. 55. 298.

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die Ausnahme bilden, die einfache Zurücknahme der Vollmacht
oder des Auftrages zwischen Vater und Sohn, wenn sie nicht
öffentlich kund gemacht wurde, nicht genügen, um den Vater von
der Haftpflicht zu befreien, da bei dem Berhältniß zwischen Vater
und Sohn, dem Zusammenleben beider, dann bei dem Umstande, daß
gerade in Ausübung des Biehhandels der den Vater unterstützende
Sohn nicht mit dem Vater vereint, sondern jeder für sich die
einzelnen Geschäfte abschließt, eine solche blos mündliche Erklä-
rung für die nicht dem häuslichen Kreise Angehörigen unerkenn-
bar bleibt*).
Wenn dagegen vom Verklagten hervorgehoben wird, daß
auch eine Vollmacht des Sohlles nie veröffentlicht worden sei, so
ist zu bemerken, daß eine länger andauernde Vertretung des Ver-
klagten durch feinen Sohn in Verbindung damit, daß dieser Ge-
schäfte int Namen seines Vaters öffentlich abschloß und hierzu
auch von seineln Vater beauftragt und ermächtigt war, aller-
dillgs die Veröffentlichung einer Vollmacht oder eines Auftrags
zu ersetzen geeignet ist, deshalb auch eine darin eingetretene Aen-
derung int Interesse der Aufrechthaltung von Treue und Glauben
zu veröffentlichen ist, widrigenfalls sie eben gegen einen im guten
Glauben an den Fortbestand des früheren Verhältnisses Handeln-
den nicht geltend gemacht werden kann. Demgelltäß war die ein-
schlägige Beweisauflage zu streichen.
Art. 52. 55. 298.
Benrtheilung der Grenzen einer Vollmacht in
Handelsgeschäften.
Der Verklagte A. focht die handelsgerichtliche Beweisauflage,
daß er dem Elias K. den Auftrag ertheilt habe, für ihn bei der
vom Kläger am 1. Mai 1867 abgehaltenen Holzveräußerung mit-
zusteigern, als zu allgemein gehalten an und gründete darauf die
Bitte um Abweisung der mangelhaft substantiirten Klage oder doch
um Aenderung des Beweisfatzes dahin, daß Elias K. von ihm
beauftragt gewesen fei, für ihn bei der fraglichen Holzveräußerung

*) Vergl. Bd. XV S. 103 dieses Archivs.

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