Full text: Volume (Bd. 18 (1870))

Königreich Bayern. Art. 52. 58. 59. 139
aber zur Bornahme derartiger Vieheinkäufe beauftragt war, zu
deren Erfüllung verbindlich machte, weil nach Art. 58, Abs. 2 des
allg. d. H.-G.-Bs. ein Handelsgehilfe, wenn er von feinem Prin-
cipal zu Handelsgeschäften in dessen Handelsgewerbe beauftragt
ist, einem Handelsbevollmächtigten gleich geachtet wird.
Das Handelsgesetzbuch hat für die Ertheilung einer Handels-
vollmacht oder eines Auftrages eine bestimmte Form nicht vor-
geschrieben, dieselbe kann schriftlich, mündlich, ja selbst durch con-
cludente Handlungen ertheilt werden; es ist daher nicht nothwendig,
daß eine bestimmte schriftliche Vollmacht, welche der Sohn des
Verklagten besessen, erwiesen wird, sondern es genügt vollkommen,
wenn der Kläger zu erproben vermag, daß der Sohn des Ver-
klagten einen allgenreinen Auftrag zum Abschluß vorr Viehhandels-
geschästen für ihn hatte, oder wenn Kläger Umstände nachzu-
weisen vermag, aus denen zu entnehmen ist, daß der Sohn des
Verklagten zu derartigen Handelsgeschäften ermächtiget oder beauf-
tragt war. Um daher jedes Mißverständniß über die Beweis-
auslage zu beseitigen, war die Fassung derselben dahin zu erwei-
tern, daß anstatt des Ausdrucks „Vollmacht besessen" der all-
gemeinere Ausdruck „ermächtiget war" gewählt werden mußte.
Aber auch der Verklagte beschwerte sich gegen die Fassung
dieses Beweissatzes, weil derselbe nicht dahin normirt wurde, daß
Simson Bamberger Bevollmächtigter seines Vaters in dessen
Viehhandelsgeschäst war und als solcher den Vertrag abschloß.
Appellant geht nämlich dabei von der Ansicht aus, daß, da
der Kläger als Verkäufer verpflichtet war, sich über die Befugnisse
des Stellvertreters seines Käufers zu erkundigen, es nicht genügt,
wenn der Sohn des Verklagten sich nur als Bevollmächtigter
benahm, sondern daß Kläger verpflichtet war, sich darüber zu ver-
gewissern. Nach Art. 52, Abs. 2 des allg. d. H.-G.-Bs. wird
aber -zur Verpflichtung des Principals durch einen von seinem
Handlungsbevollmächtigten abgeschlossenen Vertrag keineswegs er-
fordert, daß der Vertrag ausdrücklich im Namen des Principals
abgeschlossen wird, vielmehr genügt es auch, wenn nur die Um-
stände ergeben, daß nach dem Willen der Contrahenten das
Geschäft für den Principal geschlossen werden sollte. Es ist dem-
nach zur Verpflichtung des Verklagten durch Handlungen seines

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