Full text: Archiv für Theorie und Praxis des allgemeinen deutschen Handelsrechts (Bd. 11 (1867))

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Abhandlungen.

in seinen Beiträgen, Bd. I, S. 516, und das Appell.-Gericht zu
Marienwerder in der Entscheidg. in Striethorst, Archiv, Bd. 48,
S. 315. Man generalisirte die oben unter 2a. aufgeführte, nur für
einen speciellen Fall gegebene Vorschrift, und gelangte schließlich
dahin, daß überall der Richter als interpres des Parteiwillens
(nicht etwa als arbitrator), nach sorgfältiger Prüfung der concreten
Thatsachen und Erklärungen, jene unbestimmten Befristungen aus-
zulegen und festzustellen habe. Ad id, quod actum est, interpre-
tationem redigendum esse (fr. 125. D. 50, 17), das ist, wie
Förster sagt, das allein Vernünftige.
Dieses „allein Vernünftige" ist denn auch für das Gebiet des
allgem. deutschen Handels-Gesetzbuchs als geltendes Recht
aufgestellt. Die hier einschlagenden Artikel, nämlich:
Art. 327, Abs. 1. Lautet die Erfüllungszeit auf das Früh-
jahr oder den Herbst, oder auf ähnliche Zeitbestimmungen,
so entscheidet der Handelsgebrauch des Ortes der Erfüllung.
Art. 342, Abs. 3. Der Kaufpreis ist bei der Uebergabe zu
entrichten, sofern nicht ein Anderes durch die Natur des Ge-
schäfts, oder durch Vertrag oder Handelsgebrauch be-
stimmt ist.
Art. 278. Bei Beurtheilung und Auslegung der Handels-
Geschäfte hat der Richter den Willen der Contrahenten zu
erforschen, und nicht an dem buchstäblichen Sinne des Ausdrucks
zu haften.
Art. 279. In Beziehung auf die Bedeutung und Wirkung
von Handlungen und Unterlassungen ist auf die im Handelsver-
kehr geltenden Gewohnheiten und Gebräuche Rücksicht zu
nehmen.
enthalten sich jeder Legal-Jnterpretation von dergleichen unbestimmten
Befristungen, sondern verweisen den Richter auf den Willen der Con-
trahenten, die Natur der Sache, die Handels-Gewohnheiten und
Gebräuche.
Auch die Lehrbücher und Systeme des gemeinen Civil-
und Handels-Rechts fassen sich hier sehr kurz und beschränken
sich auf allgemeine Andeutungen, da bei der so vielseitigen und
variablen Möglichkeit des Partei - Willens druchgreifende Regeln

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