Full text: Volume (Bd. 11 (1867))

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Herzogthum Braunschweig. Art. 337 flg., 357.

daß ein Grund zu der geklagten Entschädigung hier überall
nicht vorliege,
ungerechtfertigt.
Es darf abgesehen werden von den verschiedenen Ansichten der
Rechtslehrer, ob und wann die ädilitischen Klagen das volle Interesse
gewähren, insbesondere ob das volle Interesse — id quod Interest
— nur dann von dem Kläger beansprucht werden könne, wenn der
Beklagte in mala fide sich befunden.
Denn nicht aus den singulären Bestimmungen des ädilitischen
Edictes, vielmehr aus den Worten des Vertrages selbst, welche aus-
drücklich die Aechtheit des verkauften Zuckerrübensamens, also auch
dessen Reinheit, dem Käufer garantiren, wird geklagt, und darüber,
daß diese Klage ex emto auch für den Fall, daß dem Verkäufer ein
dolus nicht Schuld gegeben werden kann, den vollen Schadenersatz
begreift, kann kein Zweifel sein.
1. 1. pr. D. Act. E. V. 19. 1.
Handelsgesetzbuch, Art. 357, Absatz 3.
Endemann, Handelsrecht, § 111, S. 540.
Thoel, Handelsrecht in Verbindung mit dem Handelsge-
setzbuche, § 87, S. 521.
Auch die fernere Ausführung des Beklagten, daß die Klage,
wenn überhaupt, doch immer nur durch die specielle Behauptung
hätte begründet werden können:
daß der Beklagte unter den gesandten 5 Centner Zucker-
rübensamen 5 Proc. Futterrübensamen geliefert,
tytd daß dem entsprechender Beweis der Klägerin aufzuerlegen ge-
wesen, muß verworfen werden.
Es kann dem Richter nicht zugemuthet werden, bekannte Natur-
erscheinungen in judicando zu ignoriren, und hat daher die sen-
tentia a qua dem Erfahrungssatze:
daß der Same einer Frucht eine anderartige Frucht nicht
erzeuge,
mit Recht im vorliegenden Falle Geltung gegeben, wenn sie annimmt,
daß die Klägerin, wofern sie den von dem Beklagten gekauften Zucker-
rübensamen unvermischt ausgesäet hat, nur Zuckerrüben, nicht aber
Futterrüben geerntet haben würde.

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