Full text: Archiv für Theorie und Praxis des allgemeinen deutschen Handelsrechts (Bd. 11 (1867))

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Königreich Sachsen. Art. 47 und 49.

Allein man hat dieser Auffassung in solcher Allgemeinheit schon
mit Rücksicht auf den Zweck, welchen das Institut der Handlungs-
reisenden hat, nicht beipflichten können. Denn dieser Zweck besteht
in der Erleichterung des Verkehrs mit den oft vom Orte der Han-
delsniederlassung des Verkäufers weit entfernt wohnenden Abneh-
mern und es soll jener Zweck durch die persönliche Repräsentation
des Principals durch den Reisenden bei auswärtigen Kunden erzielt
werden. Run würde aber, wenn man dem Handlungsbevollmächtigten
die Befähigung, den Principal durch seine Handlungen verbindlich
zu machen, nur insoweit zugestehen wollte, .als derselbe ausdrücklich
ertheilten speciellen Vorschriften gemäß handelt, dem Ersteren die
Möglichkeit jener Disposition nach eigener Entschließung, durch welche
sich der Bevollmächtigte vom bloßen Boten unterscheidet, und damit
zugleich, was jedenfalls nicht im Sinne des H.-G.-B.s liegt, dem
notorisch jetzt im weitesten Umfange üblichen Geschäftsverkehre durch
Handlungsreisende der größte Theil seines'praktischen Werthes ent-
zogen werden. Nach diesen Grundsätzen ist auch seit dem Erscheinen
des allg. d. H.-G.-B.s bereits in zahlreichen, zum Theil durch den
Druck veröffentlichten Fällen entschieden worden.
Vgl. z. B. Wochenblatt für merkwürdige Rechtsfälle,
Jahrg. 1866, S. 141. 156. 236.
Annalen, Bd. VIII, S. 172. N. F., Bd. I, S. 359 flg.
Zeitschrift für Rechtspflege, Bd. XXV, S. 545.
ang. Archiv s. Handelsrecht, Bd. IV, S. 385 flg.; Bd. V,
S. 310; Bd. VIII, S. 103.
Im gegenwärtig vorliegenden Falle haben nun die Kläger in
dem Klaganmeldungsschreiben den dort genannten N., mit welchem
die Beklagte sich in der näher angegebenen Weise in Bezug auf die
Rückgängigmachung des zuvor mit demselben abgeschlossenen
Kaufsgeschäfts geeinigt zu haben behauptet, zwar als ihren Provi-
sionsreisenden und in der Klagbeifuge unter A. als ihren Agen-
ten bezeichnet, und es würde, dafern diese Eigenschaft N.'s anzu-
nehmen wäre, damit zugleich entschieden sein, daß auf Grund Art. 49
des H.-G.-B.'s die stillschweigende Bevollmächtigung desselben zur
Wiederaufhebung jenes Kaufes nicht angenommen werden könnte.
Denn zur Vornahme der in der angezogenen gesetzlichen Vorschrift
erwähnten und beziehentlich der hiernach analog zu beurtheilenden

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