Full text: Volume (Bd. 11 (1867))

Königreich Sachsen. Art. 47 und 49.

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schlossenen Verkäufen einzuziehen oder Zahlungsfristen dafür zu
bewilligen, so haben doch hierdurch die rechtlichen Befugnisse des
Handlungsreisenden keineswegs lediglich auf die Vornahme der an-
gegebenen beiden Handlungen beschränkt und die Fälle seiner präsum-
tiven Vollmacht abgeschlossen werden sollen; vielmehr zeigt die Fas-
sung der zuletzt angeführten Gesetzes-Paragraphe deutlich, daß dieselbe
lediglich eine epemplicative und nur dazu bestimmt ist, die präsumtive
Vollmacht des Handlungsreisenden in den bereits ausgehobeuen, für den
Geschäftsbetrieb besonders wichtigen beiden Beziehungen sestzustellen.
Vgl. von Hahn,Kommentar zum a. d. H.-G.-B., S. 129,
§ 3; S. 133, § 2.
Auerbach, das neue Handelsgesetz, I. Abtheilung, S. 71
(Frankfurt 1863).
In allen übrigen Beziehungen bleibt daher die Frage, ob ein
Handlungsreisender außer den in Art. 49 des H.-G.-B.s speciell
erwähnten Geschäften auch zur Vornahme anderer Rechtshandlungen,
ohne besondere Autorisation hierzu von Seiten des Principals be-
rechtigt sei, eine offene und bei Beantwortung dieser Frage kommt es
nur darauf an, zu prüfen, ob das im gegebenen einzelnen Falle von
dem Handlungsreisenden vorgenommene Rechtsgeschäft zu denjenigen
gehöre, welche der Betrieb derartiger Geschäfte, wie solche dem
Handlungsbevollmächtigten zur Besorgung übertragen worden, ge-
wöhnlich mit sich bringt.
Vgl. Th öl, das Handelsrecht, § 33 a, S. 199 bei An-
merkung m. (der 4. Ausgabe).
Nun ist zwar
vgl. Rebling in Busch's Archiv, Bd. VIII, S. 203,
behauptet worden, daß die Anstellung eines Reisenden durch ein
Handlungshaus in der Regel nur den Abschluß von Kaufsge-
sch ästen im Namen des Hauses bezwecke und daß daher der Reisende
auch nur zur Vornahme solcher Rechtshandlungen als ermächtigt gelten
könne, welche die Ausführung derartiger Geschäfte mit sich
bringt, wogegen die gänzliche oder theilweise Wiederaufhebung eines
durch den Reisenden bereits endgültig abgeschlossenen Rechtsgeschäfts
unter jenen Gesichtspunkt nicht falle und daher lediglich dem Princi-
pale selbst als Verfügung über ihm wohlerworbene Rechte zukomme.
Vgl. Rebling, a. a. O., S. 204.

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