Full text: Volume (Bd. 11 (1867))

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Freie Städte. Buch V, Tit. XI.

Die Beklagten machen sodann noch den Versuch, das Verfahren
der eigentlich versicherten Partei als ein schuldvolles hinzustelleu,
indem sie behaupten, daß dem Schiffe Harvest die erforderlichen Pa-
piere gefehlt hätten, um dessen Eigenschaft als hawaisches Schiff zu
constatiren und daß der Capitän sich unvorsichtig geäußert habe.
Allein es liegt auf der Hand, daß nach dem Vorgetragenen diese
Einwendungen, auch wenn sie begründet sein sollten, was sie nicht
sind, verworfen werden müssen, indem es dem Befehlshaber der
Shenandoah an sich schon an jeder rechtlichen Befugniß, das
Schiff Harvest überhaupt anzuhalten und zu untersuchen, geschweige
denn es zu berauben und gar zu verbrennen fehlte, mochte der Be-
fehlshaber der Shenandoah dabei auch immerhin in gutem Glauben
an seine rechtliche Befugniß zu solchen Handlungen verfahren.
Sodann aber ist es ein anerkannter feststehender Grundsatz, daß
im Allgemeinen der Charakter eines Schiffes von dem National-Cha-
rakter des Eigenthümers abhängt und dieser von seinem Domicil
bestimmt wird, daß aber im Uebrigen jeder Staat selbstständig die
Bedingungen für die Nationalität der Schiffe bestimmen und vor-
schreiben kann, was zur Erlangung dieser Nationalität erforderlich
sei und welche Documente ein Schiff an Bord haben müsse, um auch
jedem Dritten gegenüber den Charakter der Nationalität zu con-
statiren,
Wheaton, loc. cit. I, p. 332;
worüber auch nur, wenn nicht offenbare Willkür herrschen soll, die
Gesetze des Landes, dem das Schiff angehört, entscheiden können, da
Schiffe allgemein als Theile des Staatsgebiets betrachtet werden.
Pöhls, loc. cit. § 514 a.
Klüber, europ. Völkerrecht, § 244.
Weiske, loc. cit. Bd. IX, p. 782.
Nun ist aber unbestritten das Schiff Harvest hawaisches Eigen-
thum gewesen, es hat die Flagge dieses Landes geführt und hat
außerdem den Registerbrief und die Musterrolle an Bord gehabt und
sind diese vorgelegt; Urkunden, welche nach dem Zeugnisse in (8)
p. 31 ausreichen, um sowohl die Nationalität des Schiffs als der
Mannschaft zu constatiren.
Daß der Capitän sich vorsichtiger oder vielmehr bestimmter hätte
äußern können, mag richtig sein, allein einmal kommt dabei in Be-

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