Full text: Volume (Bd. 11 (1867))

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Königreich Bayern. Art 319.

Wird hiernach auf die Prüfung der einzelnen mit dem Kläger
über das streitige Geschäft gepflogenen Verhandlungen übergegangen,
so ist es allerdings richtig, daß dieselben mit einer Anfrage des Klä-
gers bei der beklagten Firma begonnen haben, ob sie „Achter bis zu
dem Betrage von 3000 Pfd. a 5 Sgr." abgeben könne, wie die
Fassung des Telegrammes und der dieses erläuternden Zuschrift vom
29. Mai 1865 ersehen läßt. Allein diese Anfrage enthielt zugleich
das Anerbieten, die fragliche Quantität Maaren für den Fall ihrer
Abgabe um den beigesetzten Preis übernehmen zu wollen, und der
eben berührten Eigenschaft der ersten Aeußerung des Klägers als
Angebot entsprach die „Acceptation" der Beklagten in ihrem Tele-
gramme von dem gleichen Tage, welche ihre unbedingte Bereitwillig-
keitserklärung zur Uebersendung jener Maaren, ihre feste Zusage auf
Vollzug der angeregten Lieferung in sich schließt, mit dem der Auf-
forderung des Klägers entsprechenden Bemerken, daß die gewünschten
Muster folgen werden. Hiermit lag ihrerseits ein bindender Kauf-
abschluß um so sicherer vor, als auch die in dem Briefe vom 29. Mai
1865, mit welchem die Muster übersendet worden sind, enthaltene
Aeußerung, „daß dem Kläger mit noch circa 4900 Pfd. äußerst
ü, 5 Sgr. freibleibend an die Hand gegangen werden könne," — selbst
unter der Voraussetzung der Erstreckung des Zusatzes „freibleibend"
auf die gesammten den Beklagten damals etwa noch zu Gebote ge-
standenen 4900 Pfd. einschlüssig der vorerwähnten 3000 Pfd. —
keine Aenderung an der Sachlage herbeiführen konnte; diese Aeuße-
rung mußte dem Kläger schon um deßwillen unschädlich bleiben, weil
die Beklagten ihre vorherige bedingungslose Zusicherung in der
telegrapischen Antwort nicht nachträglich beliebig modificiren oder
beschränken konnten. Die Entscheidung über das Zustandekommen
des Geschäftes hing vielmehr nach dem Gange der bisher erwähnten
Verhandlungen blos von der schließlichen Aeußerung des Klägers
ab, was in dem Briefe der Beklagten vom 29. Mai 1865 mit den
Worten: „und sehen wir daher Ihren gütigen Mittheilungen darüber
freundlichst entgegen," angemessenen Ausdruck fand. Diese Mitthei-
lungen waren auf das Telegramm der Beklagten von Seite des
Klägers noch an dem nämlichen Tage zunächst dahin ergangen, daß
er auf die — eine Annahme seines Offertes enthaltende — Erklärung
der Beklagten unter der Bedingung eingehe, wenn das Garn streng

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