Full text: Volume (Bd. 11 (1867))

Königreich Preußen. Art. 298. (47. 55.) 253
ter nicht festgestellt, daß der Inspector H. die in Rede stehenden
Naturalien im Aufträge oder mit nachträglicher Genehmigung des
Verklagten für diesen erkauft hat. Vielmehr hat er lediglich in
der Thatsache, daß der Hafer und das Stroh für das dem Verklag-
ten gehörige Gut verwendet sind, den Rechtsgrund für die Ver-
gütungspsticht des Verklagten gefunden.
Wollte man diese Ansicht als Norm für das Rechtsverhältniß
des Principals zu den Erwerbungen und Verwendungen seines Ver-
walters anerkennen, so würde man damit alle diejenigen, welche ihr
Besitzthum durch einen Anderen verwalten zu lassen genöthigt sind,
Gefahren Preis geben, welche abzuwenden gerade in der Absicht
des Gesetzgebers gelegen hat. In § 127 L.-R., Th. I., Tit. 13 ist
nämlich verordnet,
daß dem Verwalter Credit für gelieferte Sachen oder Ar-
beiten nur insoweit gegeben werden darf, als es im Laufe
der von ihm betriebenen Geschäfte gewöhnlich
ist, oder ohne dergleichen Credit das Geschäft selbst nicht
gehörig betrieben werden kann.
Diese Vorschrift würde alle Bedeutung verlieren, wenn der Principal
verpflichtet sein sollte, dem Verkäufer jeder von seinem Verwalter
aus Credit gekauften Sache ohne alle Rücksicht darauf, ob die Credit-
nahme nothwendig oder auch nur gewöhnlich gewesen, noch nach
Jahren für den Werth lediglich darum aufzukommen, weil die Sache,
deren Erwerbspreis dem Principal von dem Verwalter vielleicht
lange in Rechnung gestellt ist, in sein Besitzthum verwendet
worden.-
Auch aus nachträglicher Genehmigung der in Rede stehen-
den Kaufgeschäfte ist der Verklagte dem Kläger nicht verhaftet; denn
wenn er auch aus den ihm vom Inspector gelegten Wochen-Rech-
nungen ersehen haben mag, daß dieser jene Ankäufe bewirkt hat, so
ist doch in diesen Rechnungen zugleich der Kaufpreis für die erkauften
Naturalien in Ausgabe gestellt gewesen. Die aus dem Inhalte der
Rechnungen und deren Annahme etwa zu folgernde Genehmigung
des Verklagten kann daher nicht auf die creditweise Entnahme
der Naturalien, sondern nur auf den gegen sofortige Baarzahlung
erfolgten Ankauf bezogen werden.

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