Full text: Archiv für Theorie und Praxis des allgemeinen deutschen Handelsrechts (Bd. 11 (1867))

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Literarische Umschau.

delsrechtes ist im-vorliegenden Werke im Auge behalten worden, wenn
auch dieselbe in den Grenzen eines Commentars nicht in gleich ausge-
dehntem Maße durchgeführt werden konnte, wie in Goldschmidt's unüber-
troffenem Handbuche des Handelsrechtes. Auch in dieser Richtung ist
die deutsche Rechtswissenschaft schon jetzt vor einer Gefahr bewahrt ge-
blieben, welche mit einer Codification verbunden sein kann und thatsächlich
nicht selten verbunden gewesen ist, welche aber bei der Codification unseres
Handelsrechtes vermieden worden ist. Denn ungeachtet der formellen
und durchaus nothwendigen gesetzlichen Aufhebung fast des gesammten
älteren Handelsrechtes ist die Continuität der Handelsrechtswissenschaft
nicht verloren gegangen. Man hat nicht angenomnlen, daß mit der
Publication des neuen Gesetzbuches auch die gesammte ältere Wissenschaft
gleichsam mit einem Federstriche beseitigt sei. Es läßt sich vielmehr
umgekehrt die Beobachtung machen, daß durch das Studium und durch
die Benutzung der Vorarbeiten des Gesetzbuches, zu deren Verständnis;
eben die Kenntniß der älteren Hanvelsrechtsliteratur erforderlich ist, der
Sinn für diese ältere Literatur neu angeregt und allgemeiner geworden
ist, und eben in dieser wissenschaftlichen Richtung hat das deutsche Han-
delsgesetzbuch nur vorteilhaft gewirkt. Der Beruf einer Zeit' zu
Schöpfungen auf dem Gebiete der Gesetzgebungen bemißt sich nicht blos
nach den unmittelbaren Ergebniffen der Legislation, sondern auch nach
der Art und Weise, wie die Wissenschaft diese Ergebnisse aufzunehmen
und zu behandeln versteht.
Man kann bei der Anwendung des deutschen Handelsgesetzbuches
zwei verschiedene Standpunkte einnehmen, den Standpunkt der ausdeh-
uenden, oder aber den Standpunkt der einschränkenden Anwendung. Die
Erfahrung lehrt, daß gegenwärtig beide Standpunkte mit einander
kämpfen, in der Literatur, wie in der Praxis unserer Gerichte. Weder
der eine noch der andere Standpunkt ist alsdann berechtigt, wenn dieselben
in ihren Resultaten eben nur zu einer gezwungenen Anwendung führen;
ist aber letzteres nicht der Fall, ist vielmehr die Frage, zwischen welchen
Principien man zu wählen habe, eine offene, so wird in solchen Fällen im
vorliegenden Commentare häufiger die ausdehnende Anwendung und Aus-
legung adoptirt erscheinen. Die Bedürfnisse des gesammten Rechtsver-
kehrs scheinen eher darauf hinzuweisen, daß der Kreis der Herrschaft des
Handelsgesetzbuches erweitert, als daß derselbe eingeschränkt werde.
Dieß sind die hauptsächlichsten Gesichtspunkte, von welchen in dem
vorliegenden Werke ausgegangen worden ist.
Der Commentar ist in der Weise das gemeinsame Werk der Ver-
fasser, daß das erste Buch des Handelsgesetzbuches von Völderndorsi,
das zweite und dritte Buch, oder das Gesellschaftsrecht von Anschütz, das
vierte nach einzelnen Titeln getrennt von den Herausgebern commentiri
ist, während die schließliche Redaction des Ganzen in allen Theilen ge-
meinsam festgestellt ist.

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