Volltext: Archiv für Theorie und Praxis des allgemeinen deutschen Handelsrechts (Bd. 11 (1867))

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Abhandlungen.

dafür, daß zu oder während einer bestimmten Zeit eine Eintragung
im Handelsregister vorhanden war.
Es folgt hieraus, daß es für den Vollmachtgeber ganz gleich-
giltjg ist, wer und ob namentlich der Bevollmächtigte im Besitz eines
Attestes ist; er hat kein Interesse dabei, mit dem Widerruf der Voll-
macht das etwa in Händen des Bevollmächtigten befindliche Attest
diesem abzunehmen. Der Besitz des Attestes beweist nichts für die
Fortdauer der Vollmacht, dieser wird durch den Zustand des Handels-
registers zum spätem Zeitpunkt erwiesen, während das Attest nur
von einem früher» Zeitpunkt spricht. Zu seiner Sicherung hat der
Vollmachtgeber, ungekümmert um vorhandene Atteste, die Aufhebung
der Vollmacht zum Handelsregister zu verlautbaren, von wo aus die
öffentliche Bekanntmachung bewirkt wird. Solche Thatsachen wirken
gegen den Dritten, und es wäre eine thörichte Hoffnung, daß ein
Handelsgericht aus dem Umstande, daß der gewesene Bevollmächtigte
ein Attest vorgezeigt habe, die Annahme begründet finden könnte, der
Dritte hätte bei Abschluß des Geschäfts das Erlöschen der Vollmacht
weder gekannt, noch kennen müssen.
Bei der großen Sorge vor Regressen ist es auffallend, daß
landrechtliche Juristen den Werth der. Atteste aus dem Handels-
register überschätzen, eine Vollmachtsurkunde mit einem Beweismittel
verwechseln und dem Inhaber eines betagten Attestes willfährig Zah-
lungen leisten.
Wenn hiermit einer ungerechtfertigten Praxis entgegengetreten
ist, so kann es durchaus nicht in der Absicht liegen, den oben auf-
geführten Bevollmächtigten in Ausübung ihrer Geschäfte hinderlich
sein zu wollen. Der Kaufmann, mag er auch mit einer größeren
Zahl anderer Kaufleute in Geschäftsbeziehungen stehen, ist sehr wohl
im Stande, die diese betreffenden handelsregisterpflichtigen Voll-
machten zu kontrolliren; die Bekanntschaft mit der Eigenschaft einer
Person als Prokuristen kann bei ihm vorausgesetzt werden. Anders
beim Richter; ein ihm bisher unbekanntes Handlungshaus sendet
ihren Prokuristen, um eine von einem auswärtigen Gericht ein-
gegangene Zahlung in Empfang zu nehmen; weiter denken wir an
die vielbeschäftigten Konkurskommissare, z. B. am Stadtgericht in
Berlin, vor denen die kaufmännische Geschäftswelt auf- und abwogt.
Der Richter hat weder die Pflicht, noch ist er im Stande, sich in

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